Gas Kocher ?

    • mir rollen sich etwas die Fußzehnägel, wenn jemand eine Gaskatusche mit Feuer erhitzt... Wenn meine Sippe auf solche Ideen kommt frag ich sie immer ob sie sich erinnern können wie Niki Lauda aussieht...
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      Ertrag nicht Knebel oder Zangen,
      Will lieber um mein Leben bangen,
      Als oed an Leib und Geist verschwendet -
      Und an taeglich Plag verendet.

      (Die Apokalyptischen Reiter - Seemann, Album: Riders On The Storm (2006))
    • Propan siedet bei -42°C, Isobutan bei -12°C und n-Butan bei 0°C.

      Wenn man ein wintertaugliches Gasgemisch haben möchte dann sollte man eins nehmen, das nur Isobutan und Propan enthält aber kein n-Butan. Ansonsten bleibt im Winter der Großteil des n-Butans einfach drin. Wer eine Kartusche mit 20% Propan und 80% n-Butan hat kann auch damit im Winter kochen, aber halt nur kurze Zeit. Daher auch die unterschiedlichen Erfahrungsberichte dazu. Der mit der randvollen Kartusche hat noch keine Probleme, der mit der 2/3 vollen Kartusche bekommt schon keine Leistung mehr.

      Nimmt man einen normalen Aufschraub-Gaskocher ohne Vorheizschlaufe siedet das Gas in der Kartusche, das bedeutet, dass zuerst größere Mengen von Propan den Kocher verlassen und der Gasdruck dann schnell abnimmt. Außerdem kühlt sich die Kartusche dabei um mehrere Grad ab. Gaskartusche isolieren ist daher meist eine ziemlich kontraproduktive Idee.

      Isobutan bekommt man noch passabel aus der Kartusche, wenn man diese in ein Schälchen mit Wasser stellt. Kälter als 0°C wird flüssiges Wasser nicht und bis das zu 0°C kaltem Eis gefroren ist muss man dem Wasser sehr viel Wärme entziehen.

      Besser für den Winterbetrieb sind Schlauchgaskocher. Ich habe einen billigen von "Pinguin" (das meiste dürfte eh alles aus derselben chinesischen Fabrik kommen), der ist mit Flüssiggas aber schwer zu regeln. Der MSR Windpro II soll da wohl der beste sein. (Hörensagen).

      Im Flüssiggasbetetrieb kann man die Kartusche umdrehen, wenn der Kocher eine Vorheizschlage hat und man diesen auch vorgeheizt hat.

      Hier findet der Phasenübergang von flüssig zu Gas im Kocher selbst statt, die Kartusche kühlt also nicht ab. In der umgedrehet und ungebrauchten Gaskartsche bidet sich dann oben eine Gasblase mit viel Propan, die die Flüssigkeit unten raus druckt, ähnliches Prinzip wie beim Benzinkocher. Man sollte den daher auch auf kleiner Flamme vorheizen und dann erst die Kartusche umdrehen.

      Das Risiko sind Stichflammen.

      Kurz und gut: Idealer Gaskocher ist ein Flüssiggastauglicher Schlauchkocher, wer das Geld ausgeben will nimmt z.B. einen Windpro II. Dazu eine Gaskartusche mit nur Propan und Isobutan, das gibt es z.B- von Snowpeak oder MSR.

      Ich kann nicht sagen, bei welchen Minustemperaturen das funktioniert, denn die -20°C wurden bei uns de letzte Jahre fast nie erreicht und wenn war ich nicht draußen. Eine 2/3 volle Snowpeak Kartusche frisch aus der Gefriertruhe und dann bei ca. -10°C auf dem Balkon kochen funktioniert mit dieser Gasmischung durchaus, meiner lässt sich dann aber nicht gut regeln. (im Normalbetrieb sehr wohl).

      Nachteil ist ein um ca. 50g höheres Gewicht des Kochers. Dafür stehen die Töpfe stabiler (auf meinen kann man zur Not auch mal 5kg drauf stellen) und ein Windschutz aus Alufolie lässt sich auch viel einfacher anbringen.

      Windschutz ist bei allen Kochern sehr, sehr, sehr wichtig. Etwas stärkerer Wind vor allem unter dem Topfboden bläst einem einen Großteil der Wärme sofort weg, der Treibstoffverbrauch kann sich da schnell mal verdreifachen.

      Folgendes sollte man übrigens auch noch berücksichtigen und das ist die Größe des Flammkreises. Ein großer Flammkreis erwärmt z.B. eine Pfanne gleichmäßiger, dafür heizt ein großer Flammkreis an kleinen Töpfen und Tassen an der Seite vorbei. Wer also eher kleine Gefäße auf seinen Gaskocher stellt sollte keinen verwenden mit großem Flammkreis.

      Titangeschirr funktioniert auch nicht besonders gut mit starken Gas- und Benzinkochern, da Titan die Wärme sehr schlecht leitet bilden sich am Topfboden sehr heiße Stelle und alles außer Wasser brennt dort schnell an. Notfalls muss man's mit eher kleinen Flamme und mehr Geduld probieren. Nur zum Wasserkochen geht es natürlich.

      Meine Freundin hat einen Alutopf mit Wärmetauscherlamellen unten. Ich war da anfangs skeptisch, aber das Ding ist wirklich sehr effizient und reduziert zusammen mit einem Windschutz tatsächlich den Gasverbrauch merklich. Der Topf Ist mMn aber nicht universell nutzbar, also nicht fürs Holzfeuer zwischendurch geeignet.

      MfG

      PS: Einen Vorteil der Schlauchkocher habe ich vergessen. Mit einem Adapter kann man damit auch die spottbilligen MSF-1a Kartuschen benutzen, da bekommt man 227g für ca. 1 Euro. Diese enthalten idR nur n-Butan, sind also nur für den Sommer geeignet aber auch da ist man ja bisweilen mal unterwegs. Hier sieht man das:

      (Dieser Kocher hat keine Vorheizschlaufe, also nicht für Flüssiggasbeterib geeignet, das gibt ne Stichflamme. Mit den MSF-1A Kartsuchen muss man also unbedingt drauf achten, dass die Nut oben ist!)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Cephalotus ()

    • Nachtrag:

      In Frankreich bekommt man inzwischen bei Expé, Decathlon und Le vieux Campeur Schraubgewindekartuschen in allen Größen, meist billiger als CampingGaz.

      Damit bekommt man die Schraubgewindepullen in allen sehenswerten Städten und fast überall, wo es eine Jugendherberge gibt.

      Für die übliche gemischte Auslandstour mit Wandern, Camping und Städtebesichtigung kann also die ausschließliche Mitnahme eines Schraubgewindekochers auch ohne Edelriedadapter für Bajonettverschlußflasche empfohlen werden.

      Ob es das Schraubgewindezeug auch überall in Supermärkten inzwischen gibt werde ich in den Nächsten Wochen im Auge behalten.
    • Dhaza schrieb:

      mir rollen sich etwas die Fußzehnägel, wenn jemand eine Gaskatusche mit Feuer erhitzt... Wenn meine Sippe auf solche Ideen kommt frag ich sie immer ob sie sich erinnern können wie Niki Lauda aussieht...
      Ja mir auch, da ich dabei aber so lachen musste, musste ich das auch liken, obwohl das ja aber ein verkehrtes Zeichen ist,
      „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“
      Napoleon Bonaparte

      Gründungsmitglied des PCT- Pfälzer Chaos Trupp
    • Mir fehlt hier ja so ein Hühnersmiley..... :D
      Wir müssen im Winter oft Weichen mit großen Brennern auftauen.
      Dabei vereisen die Gasbuddeln gerne mal, weil diese Brenner ja anständig Durchfluss haben.
      Also werden die 11 Kilo Buddeln mit dem Brenner warm gemacht, damit der wieder genug Power hat.
      Genau so machen wir das auch wenn wir Schienen durchbrennen, bei Brüchen zum Beispiel.
      Und da bekommt die 33 Kilo Buddel dann einen warmen Arsch verpasst.
      =O
    • ich bin kein Freund von Kartuschenkochern.Schon deshalb nicht weil ich die leeren Dinger dauernd einsammel.und das Vereisungsproblem ,na ja.Wer von euch turnt schon häufig bei hohen Minusgraden draussen rum?ich würde einen Petro-,benzin oder Allesbrenner vorziehen.
      Einen, nicht zu unterschätzenden, Vorteil haben die Gasdinger allerdings Man kann die schnell an und wieder aus machen und darum auch relativ gefahrlos da einsetzen wo Feuer verboten sind.Das reduziert die Gefahr erwischt zu werden erheblich.
      Wenn einer der mit Mühe kaum geklettert ist auf einen Baum,schon meint das er ein Vogel wär ,so irrt sich der! (W.Busch)
    • Neu

      Naja, eben.
      Deshalb mein oben beschriebenes Dualsystem.
      In Südfrankreich Gas, im Deutschen Winterwald Holzfeuer.
      Toakspott mit Drahtschlinge fürs Dreibein machts möglich und wiegt fast nichts. EOE Lithimkocher auch nix, Hünersdorfdose 500ml ist super Trinkbecher. Bei Hitze kocht man sowieso nur Kaffee, da kommt man mit 100g Primus lange aus.
      Was will man mehr?
    • Neu

      Moin.

      Wenn hier nach einem Gaskocher gefragt wird und im Laufe des Themas die Frage nach dem Winterbetrieb hochkommt, dann möchte ich die dafür optimierten Gas-Kocher noch einmal ansprechen.

      Ein Kocher wie z.B. der Optimus Vega (von MSR oder Primus gibt es ähnliche Modelle) ist speziell auf niedrigere Temperaturen vorbereitet.
      • Er hat einen Kartuschenhalter in dem die Kartusche über Kopf steht (somit wird das flüssige Gas zum Kocher transportiert) und
      • er hat eine Vergaserschleife am Brennerkopf, die das flüssig am Brenner ankommende Gas wieder verdampft bevor es verbrannt wird.


      Ob man jetzt das Modell des einen oder anderen Herstellers besser findet ist Geschmacks-Sache. Die Einen mögen die bessere Regelbarkeit eines direkt am Brenner-Kopf befindlichen Ventils. Die Anderen finden es gut, dass sie zum Regulieren des Brenners nicht unter den flachen, heißen Brenner (mit evtl. darauf befindlichem, großen Topf) greifen müssen und sich das Ventil an der Gaskartuschen-Halterung befindet. Aber das sind Details.

      Denkbar ist auch, einen der Kocher zu kaufen, die grundsätzlich auch Benzin und Kerosin neben Gas verbrennen können. Die sind zwar etwas teuerer, dafür hat man dann aber einen Kocher, den man notfalls auch mit anderen Brennstoffen betreiben kann und man hat mehr Spielraum bei der Außentemperatur.
      Entsprechende Kocher gibt es z.B. von MSR und Optimus.


      Gruß
      NordWicht
      Der Mensch muss wieder lernen, dass die Natur seine angestammte Heimat ist und nicht ein fremder Planet, den man nur mit einem Raumanzug betreten kann.
    • Neu

      Als Vorbereiteter halte ich es in meinen Rucksäcken flexibel.

      Der Hauptenergieträger ist bei mir Waschbenzin für Licht, Heizung, Warmwasseraufbereitung.

      Zweiter Träger ist Gas mit einem kleinen Primuskocher, eben fürs Kochen.
      Da habe ich im Winter bislang keine echten Schwierigkeiten gehabt, wobei ich es Zelt auch nie unter +5-10°C habe, wenn ich irgendwie im Zelt aktiv bin, egal wie kalt es draußen ist.

      Dritter Träger ist Esbit.

      Was ich aber schon festgestellt habe, ist die Tatsache, das die mit Propan/Butan-Gemisch selbstgefüllten Kartuschen ab 5°+ langsamer abbrennen, sprich die Kocherleistung geht drastisch zurück, was zu längere Dauer führt. Das hängt dann, wie schon von anderen beschrieben, mit dem Siedepunkt des Butans zusammen.
      Aus diesem Grunde habe ich dann noch einen Schlauchgaskocher mit Vorwärmwendel, den ich aber noch nicht live benutzen konnte, da ich ihn erst im Februar kaufte.
      Vielleicht frier ich den mal mit ner Multigaskartusche aus -18° runter und wir schauen was passiert.

      Out
    • Neu

      Ich benutze den Gaskocher nur bei Waldbrandgefahr und auf Campingplätzen. Ich halte die von Nordwicht beschriebenen Modelle für Bergsportausrüstung bzw Expeditionsausrüstung.
      Im Europäischen Wald koche ich im Winter auf Holzfeuer. Das ist billig und reduziert das Rucksackgewicht.
    • Neu

      so viele Meinungen und Aussagen, bei den meisten hört man immer einen gewissen Autismus heraus. Ich hin selten allein unterwegs, finde so manche Betrachtungsweisen sehr scheuklappig ;)
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      Die gefährlichste aller Weltanschauungen, ist die Weltanschauung der Leute, welche sich die Welt nicht angeschaut haben
      Alexander v. Humbold, Naturforscher 1769-1859
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      Mit Tipples Kaktusklöten gehen Icebreaker flöten !

      wyrd bið ful aræd