Winterboofen - Sächsische Schweiz

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    • Winterboofen - Sächsische Schweiz

      Hallo Zusammen!

      Wir, der Thomas und ich, waren vor kurzem (03.01.-05.01.2017) für zwei Nächte zum Boofen in der Sächsischen Schweiz.
      Hier dazu ein kleiner Bericht mit paar Bildern...

      Die Idee war es, die dortige Ruhe während der Winterzeit zu nutzen. Thomas war bereits zwei Mal zu dieser Zeit dort und ich kenne die Gegend nur aus früheren TouriSommerAusflügen.
      Ehrlich gesagt war es mein erster Wintertrip überhaupt, sprich, ich hatte schon etwas Respekt. Aber die Sache hatte seinen Reiz, und sich jemanden anschließen der sich "auskennt" und dann diese Gegend zu bewandern wollte ich nicht ausschlagen.

      Wir hatten soweit alles besprochen: wer was allgemeines mitnimmt, Orientierung per GPS, Wasser wird an Quellen nachgetankt...
      Die einzige wirkliche Sorge bereitete mir mein Schlafequipment - wie gesagt war mein erster Wintertrip und daher fehlten mir die Erfahrungswerte (und das Kleingeld und die Bereitschaft mir für diesen Trip alles neu zu kaufen). So sah es dann aus: alter 3-Jahreszeitenschlafsack von BigPack + Sommerschlafsack "Dreamlite 500" von Deuter + neuen gebrauchten BW-Biwacksack von Carinthia, und von unten: zwei billige Alumatten (bin 2m :-/) + BW-Faltisomatte + PE-Isomatte von Vaude. Das, plus etwas Optimismus und Bissfestigkeit, sollte und musste reichen (um zumindest nicht zu erfrieren;).


      Wir sind in aller Früh mit dem EC nach Bad Schandau und von da aus ca. 1h ins Zielgebiet gelaufen.
      Wir hatten echt Glück auf diesem Trip, über Nacht hatte es reichlich geschneit! Jep, so sieht Winter aus (zumindest so ähnlich, wenn man aus Brandenburg kommt).

      (morgens 10 Uhr am Start)


      Wir sind dann quasi den ganzen Tag vor Ort im Gebirge umher gewandert. Ziel für die erste Nacht war die Bussardboofe.
      Bei aller Schönheit die sich beim Wandern in dieser Landschaft und bei diesen Umständen zeigt, es ist mitunter recht anspruchsvoll.
      Zum einen die Auf- und Abstiege sowie die Begehbarkeit des Geländes. Aber gut, das passt schon, war ja auch absehbar.


      Es gibt solche Wege.... ... und solche...


      ... oder auch solche.




      Feiner Ausblick gen Süden.




      Schneemann.



      An der Stelle ein zwei gut gemeinte Hinweise / persönliche Erkenntnisse für jeden der ähnliches vorhat und sich vielleicht damit auf neues Terrain begibt.
      Ich habe wieder festgestellt, vor Ort ist "alles anders". GPS ging zwar grundsätzlich, hat aber nicht immer ausreichend genau funktioniert, nächst mal noch ´ne extra Karte mitnehmen.
      Wege, Pfade sind nicht immer eindeutig zu erkennen: sind wiederholt vom selbigen abgekommen, und dann kann´s anstrengend werden wieder zurück zu kommen, bzw. nervig, wenn es in Sackgassen geht.
      Und, man sollte wirklich aufpassen wo man hintritt, bzw. konsquent bis zum letzten Schritt Acht geben und jeden Schritt bewußt setzen. Klar, gerade bei besonders schwierigen, glatten, steilen... Stellen achtet man drauf, aber im Prinzip kannste bei dem Wetter jederzeit umknicken, ausrutschen usw. (v. a. häufig tritt man nach "Gefühl" weil man nicht sieht was genau unterm Schnee ist).

      Kleine Anekdote:
      Gegen 15 Uhr haben wir an einer Wegkreuzung ein junges Päärchen getroffen, welches den Heimweg gesucht hat. Ne richtige Karte hatten sie nicht, nur provisorisch über´s Handy und per Wegweiser, und ansonsten sahen sie aus wie "Tagesspaziergänger". Laut den dortigen Schildern hätten Sie noch 2h für ihren Heimweg gebraucht. Wir gaben ihnen den Tipp so schnell/direkt wie möglich aus dem Gebirge raus und in irgendeine Ortschaft zu gelangen und von dort aus weitersehen. Der Punkt war, dass es in einer Stunde anfangen würde dunkel zu werden, ´ne Lampe hatten sie wohl auch nicht bei und dann brauchste einmal nur den falschen Abzweig nehmen usw. usf....
      Ohne jetzt zu dramatisieren, aber mit etwas realistischer Phantasie zeigt mir das mal wieder, wie schnell sich eine eigentlich harmlose Situation unter gewissen Umständen zuspitzen kann. Also, immer Augen auf beim Eierkauf!


      Zurück zum Bericht.
      Wir waren im Zielgebiet, aber konnten die Bussardboofe leider nicht finden. Da es nun auch für uns Zeit wurde ein Quartier zu finden, entschieden wir uns uns in ein anderes Gebiet zu begeben. Letztlich sind wir unterhalb der Rotkehlenstiege gelandet und ich war echt froh als wir dort waren. Zum einen setzte die Dämmerung bereits ein und zum anderen war ich jetzt allmählich ausgepowert da wir seit 10 Uhr nur auf den Beinen waren (verdammt, selbst unsere Rast haben wir im Stehen gemacht;)


      Wir haben dann Quartier bezogen und uns so gut es ging eingerichtet.
      Leider waren nun meine Füße klamm/kalt, bzw. spürte ich es jetzt. Ich denke es lag daran, dass ich keine Gamaschen dabei hatte (fragt jetzt nicht warum, einfach etwas naiv vllt.) und wohl immer wieder ein wenig Schnee in die Schuhe kam.
      Aber erst Mal wurde was Gegessen. Ich hatte mir zu Hause noch 500 ml Bolognesesauce vorgekocht die ich jetzt nur noch erwärmen brauchte. Noch ´ne Scheibe Käse rein und fertig war ein leckeres und gehaltvolles Abendbrot :)
      Danach haben wir es uns an kleiner Flamme "gemütlich" gemacht, ein Feierabendbierchen getrunken und nebenher meine Socken / Schuhe "getrocknet" (Also die Socken wurden fix trocken, die Schuhe nur im Fersenbereich. Habe Merrell-Wanderschuhe, die sind ohne Einlegsohle, vllt. nehme ich nächstes Mal einfach neben Gamaschen ein Paar Einlegsohlen zusätzlich mit... Wechselsocken reichten auch nicht bei feuchten kalten Schuhen).




      (Thomas in seiner Koje)

      Das Wetter war ruhig, die Temperatur um die +/- 0°C. Gegen elfe sind wir dann in die Kojen.
      Nun, ich war ja echt gespannt. Es dauerte zwar bis alles zurecht gezurrt war, aber als ich erstmal lag fühlte es sich gar nicht schlecht an (hatte auch noch lange Merino-Unterwäsche an). Das einzige was im ersten Moment etwas komisch war, bzw. mir in diesem Moment der Stille hochkam, wie abgeschieden und relativ unzugänglich man hier im Falle eines Falles unterwegs war. Ein etwas seltsames Gefühl, aber irgendwie auch rein, ursprünglich und bestärkend.



      Um ca. 9 Uhr war dann Aufstehen. Grundsätzlich habe ich gut geschlafen; also es war warm genug, nur etwas hart auf der PE-Matte, so dass man doch immer wieder wach wird. Komischerweise war ich trotzdem fit (vllt. der viele Sauerstoff), und einen Vorteil hat das mehrmalige Aufwachen: man kriegt mehr von der Nacht und dem Morgengrauen um einen herum mit (mir gefällt so was)

      Nach´m Frühstück und ´nen Kaffe ging´s dann weiter.






      Zum warm werden gleich mal einen ordentlichen Anstieg hoch:





      Unterwegs haben wir wie geplant unsere Wasservoräte an einer Quelle aufgetankt. Die Quelle war im GPS verzeichnet und das Wasser war geschmacklich sehr gut. Nach Abwägen haben wir uns entschieden es nicht abzukochen.






      Den Tag über sind wir dieses Mal in einfacherem Gelände unterwegs gewesen. Wir machten uns auf den Weg zu den Schrammsteinen und wollten etwas früher und entspannter als den Tag davor Lager beziehen.
      Gesagt getan, wir waren gegen 14.30 am Ziel und haben uns nach Erkundung der Gegend die "beste" Boofe ausgesucht, bzw. bei dem Wetter die einzig brauchbare. Denn kurz nach unserer Ankunft setzte starker Schneefall und Wind ein, so dass wir froh waren "zu Hause" zu sein. Sah echt gut; wir unterm Felsen und draußen ging der Schnee im Winterwald. Aber selbst unter Dach pfiff der Wind manchmal ordentlich Schneestaub rein, zum Glück haben wir nicht die volle Breitseite Wind abbekommen...


      Ausblick aus der Boofe, kurz darauf setzte Schneefall ein.


      Der Abend verlief dann praktisch wie der Abend zuvor.
      Erst mal essen, etwas gegen den Durst;) und dann Wunden lecken, bzw. Füße trocknen.
      Das Wetter hatte sich im Verlauf des Abends größtenteils beruhigt, nur der Wind pfiff immer mal wieder rein.

      Die Nacht war allerdings nicht ganz so entspannt wie die davor.
      Zunächst hatte ich kalte Füße und es hat bestimmt ´ne Stunde gedauert bis Besserung eintrat.
      Lag wohl hauptsächlich daran, dass ich den gesamten Abend über keine wirklich warmen Füße hatte. (Ich hatte aber irgendwann auch keine Lust mehr, mich um das Trocknen der Schuhe zu kümmern. Zum einen würde ich es kaum zu hundert Prozent schaffen und zum anderen wollte ich auch noch was vom Anbend haben...)
      Ich hatte wie die Nacht zuvor die Socken ausgezogen, weil ich ohnehin schnell warme Füße kriege. Und wenn die zu warm werden, dreh ich durch...;) also auf Nummer "sicher" und Socken aus. Ich hatte auch keine Lust mich aus der Schlafkoje zu pellen (3 Lagen), also musste es irgendwie so gehen. Habe so gut es ging etwas Beingymanstik gemacht, mir den Biwaksack komplett über Kopf gezogen und irgendwann ging´s dann...
      Insgesamt war die Nacht aber auch kälter als zuvor. Ich habe schon einen leichten Unterschied gemerkt. Na sagen wir mal, jetzt noch paar Grade kälter und es würde so langsam ungemütlich mit meiner Schlafsackperformance werden... Glück gehabt;)


      Dafür hatten wir morgens einen herrlichen Ausblick - unbezahlbar!!






      Dann hieß es auch sich so langsam aber sicher auf den Rückweg nach Bad Schandau zu machen.

      Hier übrigens mal die Boofe von außen (der etwas dunklere Streifen rechts im Bild direkt über dem Schnee):



      Wie bei dem ganzen Trip hatten wir Glück mit dem Wetter, selbst die Sonne gab es auf´m Rückweg zu sehen:)
      Zwar nur kurz, aber war cool.




      Tja, und warum macht man überhaupt so´n Trip ???


      Natürlich dafür, weil´s dann am besten schmeckt:)


      (Zu Gast in Bad Schandau im Restaurant "Barthels" am Markt - sehr leckere Küche und überaus sympathische Bedindung.)



      Und damit endete quasi unser kleines Abenteuer... wir sind dann mit dem EC entspannt und zufrieden Richtung Heimat gefahren.



      Vielleicht ein kleines persönliches Fazit am Ende.

      Ich freue mich meinen ersten Wintertrip so spontan und t.w. unbedarft angegangen, erlebt und "überlebt" zu haben.
      Ich habe dabei etliche neue Erkenntnisse bzgl. Ausrüstung, Logistik und Planung gewonnen.
      Am Interessantestes fand´ ich aber einfach wieder die mentale Komponente; das Aufsichgestelltsein, das gelegentliche Wechselspiel zwischen Lust und Frust, die Abgeschiedenheit, das Genießen, das Aushalten... usw.
      Kurz um: geeignete Ausrüstung und entsprechende Planung sind zwar richtig und wichtig und da ist bei mir auch noch gut Luft nach oben; aber,
      das nützt alles nichts ohne die richtige Einstellung. Mit der geht zwar auch nicht alles, aber vieles...;)



      Schönen Gruß!
      Bilder
      Vieles wird gut!
    • Danke für den schönen Bericht. Selber war ich letzten September 8 Tage auf den Malerweg unterwegs, aber nur auf Felsen geschlafen, nicht in Boofen. War ja auch kein Problem im Spätsommer, es hat nur 1x Gewittert mit starkem Regen. Es ist wirklich eine traumhafte Gegend.
    • Hallo Zusammen,

      danke für euer feedback!

      Ich bin ja noch nicht lange hier im Forum unterwegs, aber wenn man so rumliest scheinen ja Wintertrips im Allgemeinen für viele einen besonderen Reiz zu haben. Man hat zwar insgesamt etwas mehr zu rödeln mit Equipment usw., aber ist schon ´ne feine Sache. Mir gefällt im Winter vor allem diese Klarheit, häufig die Ruhe, man spürt irgendwie die Kraft der Natur anders... vielleicht intensiver... Na ja und du dann als kleiner People mittendrin...;)

      @Sachse1.0: Du das war für mich ´ne ziemlich spontane Nummer und andere Interessenten hatte ich jetzt gar nicht auf´m Schirm gehabt. Diesen Winter ist in dieser Richtung erst Mal nichts weiteres geplant. Aber gut möglich, dass wir im nächsten Winter auch wieder runter machen. Mal schauen was sich dann zusammenschiebt...;)


      @ Don Vicente: Na Mensch, acht Tage in der SZ kling auch wirklich sehr passabel. Weiß ja nicht wie das Wetter außer dem Gewitter war, aber wenn ich mich recht erinnere hatten wir im September im Allgemeinen eine sehr schöne Wetterlage. Aber wie auch immer, gerade SZ hat wohl zu jedem Wetter seinen Reiz...;) Kling auf jeden Fall nach einem gelungenen Trip den du da hattest.


      Gruß in die Runde :)
      Vieles wird gut!
    • Toll, sympathische Kerle, hab just in der Zeit was ähnliches gemacht, allerdings Tharandter Wald, nur eine Nacht, leider allein, eher zu Testzwecken. Mach sowas sonst lieber in der Gruppe. Spannender und unterhaltsamer. Wie Sachse sagt: Beim nächsten mal melden, wir schließen uns an.

      Und das Bild im Restaurant. Herrlich. Die Nacht war doch hart ;)
    • Ganz großes Bushcraft Kino. Winterbiwak mit teilweise improvisierter Ausrüstung. Respekt und Anerkennung.

      Wir haben die Bussardbooofe im Sommer selbst eine Dreiviertelstunde lang gesucht. Der Pfad, der von der Rotkehlchenstiege abgeht, liegt doch sehr versteckt. Bei Schnee wird es dann fast unmöglich. Zumal die falschen Pfade auch oft am teilhang enden. Gut, dass ihr euch da auf keine riskanten Aktionen eingelassen habt.

      Am Ende wart ihr da, wo sich im Sommer Kletterer, Wanderer und Hobbycamper die Boofen teilen, ganz alleine.

      Das eigentliche Highlight hast du uns doch aber verschwiegen: die heiße Badewanne zu Hause.
      Nach zwei Tagen im Schnee lernt man heißes Wasser und ein trockenes, warmes Plätzchen doch erst richtig zu schätzen, nicht wahr?