Über den falschen Gebrauch des Wortes EDC

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Das Wort EDC (kurz für Every Day Carry) hat schon länger auch in die Bushcraft-Szene Einzug gehalten. Doch leider scheint es bei den Meisten lediglich als "cooler Modebegriff" verwendet zu werden, ohne Wissen darum, was damit eigentlich genau gemeint ist und welche Idee dahinter steckt.

    Hier eine kurze Erklärung zur Herkunft des Begriffes und der zugrunde liegenden Philosophie...



    Herkunft des Begriffes

    Der Begriff EDC (für Every Day Carry) wurde vor etlichen Jahren in einem amerikanischen Forum ins Leben gerufen.
    Es ging darum, was die einzelnen Personen außer dem "Concealed Carry" (der verdeckt getragenen Waffe zur Selbstverteidigung) noch mit sich herumtragen, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein und häufig benötigte Gegenstände jederzeit griffbereit zu haben.


    Ursprüngliche Definition

    Damals wurde genau definiert, was alles als EDC gezählt werden sollte und warum:
    • Die Gegenstände sollten direkt an der Person getragen werden.
      Es geht darum, dass die Gegenstände in einer nicht vorhersehbaren Situation zur Verfügung stehen. Das kann nur gewährleistet werden, wenn man sie immer direkt an der Person mit sich trägt. Wenn man die Gegenstände in einer Tasche oder einem Rucksack mit sich herumträgt, dann werden Tasche oder Rucksack irgendwann abgenommen und stehen außerhalb des direkten Zugriffs. Und wenn dann etwas passiert, dann ist der benötigte Gegenstand nicht zur Hand. Was nützt mir beispielsweise eine Taschenlampe in der Jackentasche (oder meinetwegen im Rucksack), wenn ich ohne Jacke bzw. Rucksack auf der fensterlosen Toilette sitze und dann fällt der Strom aus?
    • Die Gegenstände sollten möglichst immer an der selben Stelle getragen werden.
      Nur dann kann man, wenn man einen bestimmten Gegenstand benötigt, ohne Nachzudenken direkt an die richtige Stelle fassen und den Gegenstand "blind" herausholen. Die dahinter stehenden Idee stammt vom Militär, wo auch jede Ausrüstungsteil seinen festen Platz hat. (Wer von Euch beim Bund war, der kennt das sicher auch noch.)
    • Die Gegenstände zählen nur, wenn man sie immer an der Person hat.
      Es ist nicht vorher bekannt, ob und wann die Situation eintreten wird, in der man den entsprechenden Gegenstand braucht. Somit kann man es nicht vorausplanen und den Gegenstand "zum richtigen Zeitpunkt" mitnehmen. Es zählen also nur Dinge die man wirklich immer dabei hat, denn nur so kann man sicher sein, dass man sie auch dann dabei hat, wenn man sie einmal benötigt.



    Erweiterung der ursprünglichen Definition

    Als der Begriff dann, Internet sei Dank, schnell um sich griff, wurde die Definition in so weit "gelockert", dass plötzlich auch die Gegenstände dazu zählten, die man in einer Tasche oder dem Rucksack (Daypack) täglich bei sich trug. Das war auch der Tatsache geschuldet, dass sich ein richtiger "EDC-Boom" entwickelte, eigene Internetseiten, Blogs und Foren zu dem Thema aufmachten und all' die tollen kleinen Tools und Gadgets gar nicht mehr alle in den Hosentaschen untergebracht werden konnten.

    Auch wurden, im Zuge der Verbreitung der Idee, von diversen Seiten immer mehr Dinge als "potentiell nützlich" zum EDC hinzugefügt. So tragen einige Leute regelmäßig eine Wasserflasche oder ein (schweres) Multitool mit sich herum - beides Dinge, die zu groß und unbequem für die Hosentaschen sind. Andere definierten, dass ein Notizbuch und ein Stift wichtig wären, als Teil ihres "Office-EDC". So ist der Begriff heute in so weit aufgeweicht, dass manche Personen einfach Alles, was sie so mit sich herumtragen als ihr EDC bezeichnen, auch wenn das nichts mehr mit der ursprünglichen Philosophie (siehe oben) zu tun hat.

    Die ursprüngliche Idee ging eher in die entgegengesetzte Richtung:
    So wenig und so leicht wie möglich, dafür aber hochwertige Dinge, die für möglichst viele verschiedene Zwecke nützlich sind. Nach dem Motto: "Carry less, but smarter". Eigentlich ist ein Schweizer Offiziersmesser die perfekte Verkörperung des EDC-Gedanken: Viele nützliche Werkzeuge in kleiner Verpackung, die man immer direkt an der Person dabei haben kann.


    Meine Umsetzung

    Streng nach den obigen Regeln ist genau das mein EDC:



    Das sind die Gegenstände, die nachts auf meinem Nachttisch liegen, die ich morgens direkt nach dem Anziehen anlege (Uhr) bzw. in die immer gleichen Taschen meiner Kleidung stecke (Messer vorne rechts, Lampe und Feuerzeug vorne links). Diese Gegenstände habe ich durchgängig immer bei mir, so lange bis ich mich Abends wieder ausziehe und sie dann auf den Nachttisch neben meinem Bett zurücklege.

    OK, es ist nicht immer das selbe Taschenmesser und die selbe Uhr. Und manchmal, wenn es ein größeres Messer ist (z.B. Buck 110), dann kommt es in ein Gürteletui (das dann so lange am Gürtel bleibt, bis das Messer aus irgend einem Grund wieder gewechselt wird).

    Mein Schlüsselbund kommt nur dazu, wenn ich das Haus verlasse und wandert ggf. auch in die Umhängetasche/Jacke --> Kein EDC
    Mein Portemonnaie stecke ich in meine Jacke, wenn ich das Haus verlasse. --> Kein EDC
    Mein Handy liegt in der Wohnung herum und wird nur eingesteckt, wenn ich das Haus verlasse. --> Kein EDC


    Falsche Begriffsverwendung

    Was mich jedesmal die Zähne zusammenbeissen läßt, das sind solche Formulierungen wie "Was habt Ihr in Eurem EDC?" oder "Ich möchte Euch mal den Inhalt meines EDC zeigen" oder "Ich habe diesen Organizer als EDC". Oder die Abbildung eines Rucksackes mit dem Hinweis "Das ist mein EDC". dash

    Nein, Leute, es steckt nichts in meinem EDC. Das EDC ist keine Tasche, kein "Organizer" und auch kein "Rucksack" oder "Waistpack" oder was auch immer. EDC ist kein Behältnis.
    Und mein Organizer (ja, ich habe auch einen, mit Kompass, Schur, Nadel und Faden, Ersatzbatterie, Pflaster, Stift, ...) ist kein EDC. Er ist in meiner Umhängetasche, die ich immer dabei habe, wenn ich das Haus verlasse (Freizeit und auch Arbeit). Aber es ist nicht "am Mann". Es ist kein EDC.

    Ein anderes Beispiel, das ich neulich sinngemäß gelesen habe, war "ich habe mir jetzt ein Auto-EDC zusammengestellt. Das habe ich jetzt immer im Handschuhfach."

    Nein, auch das ist kein EDC. Es ist ein Satz Ausrüstung, den ich an einem bestimmten Ort lagere. Das ist zwar für sich genommen eine tolle Sache (und ich habe tatsächlich auch ein Etui mit Messer, Feuer, Licht sowie Stift und Notizbuch im Auto), aber es ist kein EDC.

    Mein EDC ist: Messer, Lampe, Feuerzeug und Uhr.
    Was ist Dein (echtes) EDC?



    Euer
    NordWicht
    Der Mensch muss wieder lernen, dass die Natur seine angestammte Heimat ist und nicht ein fremder Planet, den man nur mit einem Raumanzug betreten kann.

    796 mal gelesen

Kommentare 13

  • Mopedmichi -

    Smartphone Sony Xperia 5, Fenix 3 Uhr, Geldbörse mit Victorinox Swisscard, Opinel No. 8, Schlüsselbund mit Gerber Sicherheitsmesser und nem Flaschenöffner. Alles andere kann ich nicht als EDC bezeichnen.

  • Babblebud -

    Opinel No. 8, 1x AAA Led Taschenlämpchen, BIC Feuerzeug, Smartphone, Geldbeutel, Schlüssel, Taschentücher. IMMER! :)

  • Grisumat -

    Mein EDC: Armbanduhr und kleines Victorinox

  • xANNIBAx -

    Sehr schön geschrieben. Und bringt meiner Meinung alles auf den Punkt

  • ryder_hook -

    Ich weiß nicht, ich komme mit der ersten Definition nicht klar. Nach dieser Definition kann ein Vic gar kein EDC sein, weil es nicht direkt am Körper getragen wird (die Ausnahme das sich jemand das Vic mittels Schnur um den Hals hängt, aussen vor gelassen). Genauso schwer tue ich mich mit dem Begriff immer - wer schon mal operiert wurde weiß, da muss man alles abgeben muss. Keine Uhr, keine Kontaktlinsen, nix. Demnach kann eine operierte Person nie ein EDC haben. q.e.d.
    Also ist für mich diese ursprüngliche Definition Quatsch.

    ciao
    ryder_hook

    • NordWicht -

      Die Argumentationskette verstehe ich nicht.

      1. Du trägst das Vic an der Person (in der Hosentasche bzw. im Gürteletui). Also hast Du es immer dabei. Wo ist das Problem?

      2. Wenn ich gerade operiert werde, habe ich nix dabei. Klar, dann habe ich zu dem Zeitpunkt kein EDC. Aber wenn Du dann wieder fit bist nimmst Du die Gegenstände wieder an Dich. Wo ist das Problem? Nimmst Du das jetzt "über-wörtlich", das es kein EDC sei, weil Sie es ja nicht immer (rückwirkend auf das gesamte Leben betrachtet) dabei hatte? - So ist das natürlich nicht gemeint. ;)

    • ryder_hook -

      Im Prinzip ja, weil ich nicht die Argumentation nach vollziehen kann das etwas in der Jacke ist und damit kein EDC. Aber was in der Hosentasche ist, ist ein EDC. Diese Grenze erscheint doch völlig willkürlich. Es gibt doch genug Beispiele wo z. B. ein Messer nützlich sein könnte, aber man hat es nicht dabei weil es in der Hosentasche steckt und man hat dann die Hose nicht an. Wo macht da dann die Unterscheidung zwischen Jacke und Hose Sinn?
      Da finde ich dann schlüssiger was ich immer dabei habe wenn ich das Haus verlasse ist EDC ob es dann in der Jacke oder Hose steckt ist aber egal.

    • NordWicht -

      Es ging eher darum, an dem Beispiel klar zu machen, dass es nichts nützt, wenn man es nicht "an der Person" hat. Wenn es dadurch verständlicher ist, kannst Du gerne "Jacke" durch "Rucksack" ersetzen.

    • Grisumat -

      Der Unterschied ist doch ds ich immer (also auch im Haus,oder draußen im Sommer) eine Hose an habe aber nicht immer eine Jacke. Sobald ich eine Einschränkung machen muss (hab mein EDC nur draußen dabei) ist es kein EDC mehr. Die einzig "erlaubte" Einschränkung dem Wortsinne nach ist, dass ich es nicht mit zum schlafen ins Bett nehme. Desswegen heißt es aber ja auch Every-DAY-Carry und nicht Every-Time-Carry.
      Ich verstehe den Auslöser von NordWichts Artikel nur zu gut. Vieles was als EDC bezeichnet wird ist eigentlich eher eine Art "Survival-Kit". Der Klassische "Überlebensgürtel" nach nehberg wiederum wird zum EDC wenn man Ihn wie von Nehberg angegeben niemals ablegt, weil dieses Backup seine Sinnhaftigkeit verliert, wenn es im Lager über dem Rucksack hängt während man austreten geht...

  • WECKY -

    Super geschrieben !

  • Rabenauge -

    Kleines Neckknife, Uhr, Minikompass am Armband, Brille.
    Zusätzlich ist am Messer etwas dünnes Paracord (ergäbe vielleicht 2m Schnur), für nen Feuerstarter, der leicht genug ist, hab ich noch keine rechte Idee.
    Das Messer und die Brille leg ich nur zum schlafen ab- die Uhr mit dem Kompass nicht.

  • Harlekin -

    Super erklärt. Danke für diesen Beitrag.

  • Michael_M -

    Jetzt hast mich leider ohne Sakko im Büro erwischt NordWicht! ;)

    Am Mann trage ich gerade (aber das quasi immer):

    - Garmin Fenix3 am linken Handgelenk
    (enthält GPS, Kompass, Barometer/Höhenmeter, ...)
    - Schlüsselbund in linker Hosentasche
    (enthält neben Schlüssel Minitaschenlampe, Minikugelschreiber, Behälter mit 20€ und Minikarabiner)
    - Autoschlüssel in linker Hosentasche, find ich aber wertlos als EDC Teil und hab ich zu Hause nicht in der Hose.
    - Leatherman Signal am linken Hosenbund.
    - Brille auf der Nase
    - Ehering (wertvolles Metall)
    - Kugelschreiber in Hemdtasche

    Was mir gerade auffällt ist, das die Feuermachmöglichkeit fehlt, da muss noch was an den Schlüsselbund.

    Auf Tour hätte ich ein etwas anderes EDC, aber das trage ich halt nur speziell wenn ich draußen unterwegs bin - also Situationsabhängig. Das aber dann Outdoor auch immer am Mann.

    ... ist doch mehr als ich dachte, die Geldbörse ist leider im Sakko, zählt also nicht.