Detailliertere Beschreibung zur Verwendung des Spyderco Triangle Sharpmakers

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  • Moin.

    Hier eine etwas detailliertere Beschreibung, wie man den Spyderco Sharpmaker einsetzt. Es werden auch einige Tipps gegeben, die über die Grundlagen hinausgehen, die ohnehin auf der beigelegten CD gezeigt werden.


    Grundsätzlich benutzt man den Sharpmaker ja so, dass man die Klinge abwechselnd über die beiden V-Förmig in die Grundplatte gesteckten Steine zieht (Details siehe Film-Anleitung auf der beigelegten CD).


    Die richtige Haltung

    Worauf meiner Meinung nach aber nicht deutlich hingewiesen wird: Man sollte dabei immer darauf achten, dass der Teil der Klinge gerade nach unten zeigt, der gerade den Stein des Sharpmakers berührt. Sprich: Beim Durchziehen und nach unten bewegen auf dem Stein sollte man die Klinge "mit bewegen", der Rundung folgen, die die Klinge macht. So erhält man deutlich bessere Ergebnisse als wenn man das Messer einfach nur "gerade" über den Stein zieht.


    Mein Messer wird nicht scharf! Warum nur?

    Wenn Du Dein Messer für längere Zeit über den mittleren (braunen) Stein des Sharpmakers ziehst und es "tut sich einfach nichts" bei der Schärfe, dann kann es daran liegen, dass Deine Klinge den falschen Winkel an der Schneidfase hat. Dann schleifst Du (so lange bis der Winkel endlich stimmt) oberhalb der Fase den Stahl, aber nicht direkt an der Schneide. Und das kann dauern, wenn man nicht die Diamantsteine benutzt.

    Deshalb:
    Die Schneidfase des Messers mit Edding anmalen und trocknen lassen. - Dann mit den mittleren (braunen) Steinen auf den Sharpmaker. Nach ein paar Zügen mit der Lupe die Schneide des Messers kontrollieren.

    Wenn Du nur den oberen Teil der Schneidfase schleifst (=direkt an der Schneide wird kein Edding abgerieben), dann solltest Du auf die Diamantstäbe wechseln und damit vorsichtig weiter schleifen. - So lange bis der Edding komplett auf beiden Seiten direkt an der Schneide weg ist.

    Wird die Schneidfase jedoch ganz unten an der Schneide geschliffen (also direkt an der Schneide der Edding abgetragen), dann kannst Du Dir die Diamantstäbe schenken und direkt mit den braunen Steinen weitermachen.

    Nach dem Schleifen mit den Diamantsteinen die Schneide mit der Lupe ansehen. Sie sollte jetzt direkt bis an die Schneide "gleichmäßig rauh" aussehen.

    Auf die mittleren (braunen) Steine wechseln und dort immer schön schleifen "einen links, einen rechts". So 20-30 mal drüberziehen auf jeder Seite der Schneide. Dann wieder mit der Lupe die Schneide ansehen. Jetzt sollte sie deutlich "glatter" aussehen als nach den Diamantstäben.

    Wenn die Schneide nicht mehr glatter wird - also jetzt von den braunen Steinen gleichmäßig "weniger rauh" geschliffen ist und alle tiefen Kratzer von den Diamantsteinen raus sind, dann auf die weißen Steine wechseln. Damit wieder ein paar mal von jeder Seite die Klinge durchziehen. Mit der Lupe kontrollieren. Jetzt sollte die Schneide noch weniger zerkratzt sein, ohne Lupe sollte sie schon fast glatt glänzen.
    Fertig.


    Der richtige Winkel

    Die 20° pro Seite ist so ziemlich der universelle Winkel, ein guter Kompromiss zwischen stabiler Schneide und guter Schärfe. Noch schmaler, und die Klinge wird zu empfindlich. Noch breiter und das Schneidvermögen nimmt merkbar ab. Die nehme ich für allgemeine Taschenmesser und für meine feststehenden Outdoor-Messer.

    Die 15° pro Seite erzeugen eine noch feinere Schneide, die noch leichter durch das Schnittgut gehen. Dafür ist die Schneide aber auch deutlich empfindlicher. Ich benutze diesen Winkel nur, um damit meine Küchenmesser zu schärfen.

    Man kann die 15° auch benutzen, um den Übergang zwischen Klingenspiegel (= Primärfase, = "Seite der Klinge") und Schneidfase zu glätten, damit dort nicht so eine deutliche Kante hervorsteht. Dazu nach dem Schärfen des Messers einfach das Messer erst mit den braunen und dann mit den weissen Steinen ein paar mal durchziehen.

    Randnotiz
    Große, stabile Outdoormesser werden auch gerne mit 25° pro Seite angeschliffen, damit die Schneide auch beim Hacken nicht so schnell leidet. Allerdings sind sie dann üblicherweise merkbar weniger scharf, gehen bei irgendwelchen "Schnitt- und Rasiertests" nicht so leicht durch das Papier etc.

    Mein Müller MSP Backlock z.B. wurde mit mehr als 20° pro Seite ausgeliefert und schnitt so lala. Ich habe es mit den Diamantsteinen auf 20° geschliffen, schön mit allen Steinen immer feiner geschliffen und dann noch auf einem Lederpad mit Schleifpaste abgezogen. Jetzt ist es merkbar schärfer und hat auch mehr "Biss".


    Wann benutze ich die Ecken des dreieckigen Steins und wann die Flächen?

    Eine der Eigenarten des Spyderco Sharpmakers sind seine dreieckigen Schleifsteine. Im Video auf der beigelegten CD wird von Sal Glesser gezeigt, dass er seine Messer zuerst über eine Ecke das Schleifsteins zieht. Im nächsten Schritt wechselt er dann auf die Seitenfläche des selben Steines. Danach benutzt er die nächst-feineren Steine und wiederholt das Ganze dort.

    Die Idee dahinter ist wohl, dass bei Verwendung der Ecken automatisch ein höherer Druck auf die Stelle der Schneide ausgeübt wird, die gerade über den Stein gezogen wird. Dadurch wird (zumindest theoretisch) der Abtrag leicht erhöht, bei gleichbleibendem Andruck des Messers auf den Schleifstein.

    Ich persönlich mache das nicht (mehr) so. Ich denke, der Unterschied ist zu gering. Ich stecke die Steine so ein, dass jeweils eine der Flächen auf dem Sharpmaker nach innen zeigt. Dann ziehe ich das Messer hindurch, aber nicht immer 100% gerade aus dem "V" heraus auf mich zu, sondern manchmal auch mit dem Griff leicht nach "außen", so dass die Klinge ebenfalls an der Kante der Steine entlang gezogen wird. Das hängt aber auch von der Beschaffenheit und Form der Klinge ab. Bei kleinen, stark gerundeten Klingen ziehe ich sie eher "an der Ecke entlang", da ich so der Rundung gut folgen kann. Bei längeren Messern und "langen, gerade Klingen" ziehe ich die Schneide eher auf der Fläche entlang, da so die Gefahr abzurutschen deutlich geringer ist.

    Die Kanten der Steine haben für mich zwei wichtige Vorteile:
    • Man kann damit auch gut Messer mit einer Innenwölbung schleifen ("Recurve-Klinge" oder die halbrunde Klinge bei Elektrikermessern).
    • Man kann mit einer Ecke des Schleifsteins sogar Messer mit Wellenschliff (Brotmesser in der Küche oder Rettungsmesser mit "gezahnter Klinge") schleifen, weil man mit den Ecken des Schleifsteins auch jede einzelne Welle innen einzeln abfahren kann. Das habe ich auch schon gemacht, es ist allerdings relativ zeitaufwendig.


    Wenn es trotz allem irgendwie "nicht so richtig" scharf wird

    Das kann mehrere Gründe haben. Manche Messer müssen noch nach dem Schleifen "abgezogen" werden um wieder die volle Schärfe zu bekommen. Das bedeutet man zieht die Klinge mit ca. 30° Winkel über ein Stück Leder. Dadurch wird die Schneide noch feiner poliert, evtl. mikroskopische Unebenheiten abgerundet, ein evtl. vorhandener, winziger Grat aufgerichtet. Sie "gleitet" dann noch leichter in das Schnittgut. Das kannst Du mal mit der Innenseite eines alten, stabilen Ledergürtels versuchen. Einfach den Gürtel gespannt halten (ggf. im Sitzen mit der Schnalle um den Fuß, damit Du noch eine Hand für das Messer frei hast).

    Dann das Messer immer abwechselnd von links und recht über die Rückseite des Leders ziehen, Winkel wie gesagt so ca. 30° (er soll steiler als der Schleifwinkel sein). Das Ganze so 20-30 mal wiederholen. Dann nochmal den Schnitt-Test machen. Oft hilft das.

    Manche andere Stähle mögen es aber wieder auch nicht, wenn sie zu gut poliert werden. Sie schneiden am Besten, wenn die Schneide eine Art "Mikro-Zahnung" hat, wenn man also nach den braunen Steinen nur ein- oder zweimal mit den weißen Steinen drübergeht, damit die Schneide nicht zu glatt poliert wird und noch etwas rau bleibt.

    Das wirst Du aber bei Deinen Messern mit der Zeit herausfinden. - Ich ziehe meine Messer nach jeder Steinsorte einmal durch ein Stück Papier bevor ich auf die nächst feinere Steinsorte wechsle.

    Wenn Du merkst, dass sie z.B. nach dem braunen Stein sehr gut schneiden, dann nach dem weißen aber plötzlich wieder nachlassen. - Dann eben zukünftig etwas weniger zum Schluss mit den weißen Steinen hinterher gehen. Das ist dann halt die Übung und Erfahrung.


    Und immer daran denken: Der Stein macht die Arbeit!

    Nicht zu stark aufdrücken! Damit machst Du mehr kaputt als scharf. Du musst die Klinge nur "fest anlegen" und durchziehen und dabei gleichzeitig nach unten bewegen. Und stoppe mit dem Durchziehen kurz vor der Spitze der Klinge. Wenn Du die Klinge komplett über den Stein ziehst, dann rundest Du die Spitze ab.


    Gruß
    NordWicht
    Der Mensch muss wieder lernen, dass die Natur seine angestammte Heimat ist und nicht ein fremder Planet, den man nur mit einem Raumanzug betreten kann.

    304 mal gelesen

Kommentare 2

  • ryder_hook -

    Hallo Nordwicht,

    Wie immer von dir, perfekt geschrieben! Vielleicht kannst du noch ergänzen, wann du die breite Seite oder die Ecke eines Steins verwendest.

    ciao ryder_hook

    • NordWicht -

      Hallo ryder_hook,

      ich habe oben dazu mal etwas ergänzt. Das entspricht meiner persönlichen Erfahrung und Vorgehensweise, es ist nicht 1:1 das, was Sal Glesser in seinem Video vorführt. ;)

      Gruß
      NordWicht