Kurztrip Schweden 2013

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    • Kurztrip Schweden 2013

      Dieses Jahr ging es für einen Kurztrip nach Schweden.

      Am 23.07 flog ich früh morgens von Köln/Bonn nach Göteborg. Dort angekommen ging es direkt los Richtung „Wildnis“. Vom Flughafen aus fuhr ich mit dem Bus in die Innenstadt von Göteborg, um dort zuerst einmal die Touristeninformation aufzusuchen, da ich noch keine genaue Route geplant hatte. Dort besorgte ich mir eine Karte über den nördlichen Bohusleden. Nun also perfekt vorbereitet, stieg ich in einen Zug Richtung Norden. Nach einer kurzen Beratung mit dem Schaffner hieß mein Ziel Munkedal, eine kleines Provinzstädtchen je ca. 100km nördlich von Göteborg und südlich von Halden (Norwegen). Am frühen Nachmittag erreichte ich dann Munkedal. Mit meinem Kartenmaterial von der Touristeninformation erreichte ich dann nach einiger Zeit meinen Startpunkt der Etappe 16.



      Der Bohusleden ist ein 360 Kilometer langer Wanderweg. Er ist in 27 Etappen eingeteilt und schlängelt sich von Lindome (bei Göteborg) bis nach Strömstad.



      Schon durch die Anreise erschöpft begann ich nun den ersten Teil meiner Wanderung.
      Der Weg führte mich durch einige schöne Waldstücke nördlich an Munkedal vorbei.



      Ansonsten gibt es über den ersten Tag eigentlich nicht viel zu berichten. Ich konnte die Etappe nicht ganz bis zum Ende laufen, da es langsam schon dunkel wurde. Ich suchte mir einen Schlafplatz direkt an einem Fluss: etwas, dass in Deutschland eigentlich undenkbar wäre. Aber in Schweden gibt es das sogenannte Jedermannsrecht, welches einem erlaubt, fast an allen Stellen in der Natur sein Zelt aufzuschlagen und ein Feuer zu machen.




      Am zweiten Tag, nach einer kurzen gemütlichen Nacht, ging es wieder los. Nach einem Kaffee auf meinem Campingkocher und einer Suppe packte ich meine Sachen zusammen und wurde von ein paar Sonnenstrahlen begrüßt.
      Kurz nach meinem Aufbruch kam ich an einem alten Sägewerk, vermutlich aus dem Mittelalter, vorbei.



      Nach kurzer Zeit erreichte ich meinen ersten See, wo ich auch meine Trinkwasservorräte auffüllen konnte. Ich verzichtete auf Wasseraufbereitungstabletten oder abkochen, da ich mal irgendwo gelesen hatte, dass die Schweden dies auch nicht tun. Hat auch alles gut geklappt.



      Kurze Zeit später machte mir allerdings der Wettergott einen Strich durch die Rechnung: Gewitter. Ich machte es mir zusammen mit meiner Regenjacke unter einem kleinen Nadelbaum gemütlich, um den schlimmsten Regen abzuwarten. Nach einer halben Stunde kam auf einmal ein Schwede – im T-Shirt- vorbei, sah mich nur entgeistert an, grüßte und verschwand wieder im Nirgendwo. Nach diesem komischen Erlebnis beschloss ich dann auch einfach wieder weiter zu gehen. Auf meinem Kartenmaterial war in ca. 5km eine Windschutzhütte abgebildet. Diese war dann mein nächstes Ziel.

      Kurz vor meinem Ziel, es muss so gegen 14 Uhr gewesen sein, ging das Gewitter dann erst richtig los.
      Der kleine Waldpfad hatte sich bis dahin in ein schmieriges Etwas verwandelt und ich war froh, als endlich die Windschutzhütte in Sicht kam. Als das Gewitter etwas nachließ, fing ich dann an, ein Feuer zu machen. Zum Glück kann man nasses Holz wunderbar mit Brennspiritus behandeln.



      Der See mit der kleinen Hütte lag in einem Tal, wodurch jeder Donnerschlag den Boden und die Hütte beben lies. Wunderbar!

      Da das Gewitter sich erst gegen 18 Uhr verzog, beschloss ich heute nicht mehr weiter zu gehen.

      Ich war jetzt bei Etappe 17 angelangt.

      Am nächsten Mittag brach ich dann bei Sonnenschein auf. Der Weg führte mich an diesem Tage durch wunderbares, bergiges und stark bewaldetes Gelände. Auf meiner Karte war ein kleiner Aussichtspunkt eingezeichnet, welcher über einen kleinen Umweg zu erreichen war.






      Nachdem ich einige Zeit den Ausblick genossen hatte, musste ich aber auch weiter. Ich wollte ja endlich mal eine ganze Etappe laufen.
      Am nächst-größeren See machte ich dann eine kleine Kaffeepause und ließ die Füße im Wasser baumeln.

      Bilder
      Gruß Kai

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    • Kurztrip Schweden 2013

      Als ich das Ende der Etappe 17 erreichte, fand ich leider keinen geeigneten Schlafplatz, da dort kein See oder größerer Fluss zur Trinkwasserversorgung war. Also beschloss ich einfach mal weiter zu gehen. Als ich unterwegs meine Karte studierte, fiel mir allerdings auf, dass auch die nächsten 15km kein schöner Schlafplatz in Sicht war. Also legte ich einen Zahn zu, um einen großen See zu erreichen.




      Es war schon fast dunkel, als ich dann abends mein Ziel erreichte. Diese Nacht hätte mich nichts und niemand wach bekommen.




      Am nächsten Tag stand laut Karte eine angenehmere Etappe mit vielen Seen und kleinen Gewässern an. Also lief ich gespannt los und wurde auch nicht enttäuscht.





      Nach einiger Zeit kam ich in ein Moor, wo der Weg dann nur noch aus Holzplanken bestand.



      Dort begegnete ich dann der zweiten Person auf meiner Tour, einer Schwedenin, welche das Moor als ihre Mountainbike-Strecke nutzen wollte. Das stellte sich allerdings als schlechte Idee heraus. Nach kurzem Smalltalk trennten sich unsere Wege dann auch wieder.
      Im Moor lernte ich ebenfalls die schwedischen Moskitos kennen; sie sehen aus wie Fliegen, haben allerdings ein grünes und ein orangenes Auge.
      Entspannt erreichte ich an diesem Abend wieder eine Windschutzhütte und richtete mich dort ein.



      Am nächsten Tag ging es führte mich der Weg auf einen Bergrücken, von welchem ich die im Tal liegenden Seen bestaunen konnte. Auch erfuhr ich endlich den Grund warum der Alkohol in Skandinavien so teuer ist. Der Baum war aber durchaus bequem.




      Am Abend wollte ich es mir wieder in einer Windschutzhütte gemütlich machen. Dooferweise existierte diese irgendwie nicht mehr… (>>>für Leute die auch einen Trip planen: Etappe 20, Hütte Nummer 4).

      Also ging ich noch ein Stück weiter an den nächsten See und schlug dort mein Zelt auf.



      Nun musste ich mich nochmal mit etwas Planung beschäftigen, da mittlerweile mein Rucksack Probleme machte und meine Trekkinghose schon vor 2 Tagen beim Übersteigen eines umgefallenen Baumes gerissen war. Auch meine Vorräte neigten sich dem Ende zu.
      Laut meiner Karte sollte sich ca. 30km entfernt ein kleines Städtchen namens Ed befinden. Ich beschloss also, die nächste Etappe nur bis zur Hälfte zu gehen, und mich dann Richtung Stadt zu bewegen.

      Am nächsten Morgen ging es also weiter Richtung Ed. Als ich mich nach halber Strecke wieder auf einem Schotterweg befand, kündigte sich bereits das nächste Gewitter an. Doch plötzlich hörte ich ein Auto und siehe da: ein Mini-Van mit einer Familie aus Düsseldorf, welche mich dann auch mit nach Ed nahm. Dort angekommen, musste ich allerdings feststellen, dass in Ed leider nicht die Sachen aufzutreiben waren, die ich benötigte. Nach einigem Suchen fand ich einen Bahnhof, wo 25 Leute standen; und wie es der Zufall wollte, waren das alles Deutsche aus Leverkusen. Die Welt scheint also echt ein Dorf zu sein. Von ihnen erfuhr ich, dass in einer halben Stunde ein Zug nach Göteborg kommt. Also saß ich wenig später auch in diesem Zug nach Göteborg.

      Ich erreichte Göteborg gegen 21:30 Uhr und besorgte mir erstmal ein paar neue Kleidungsstücke und Schuhe. Neu ausgerüstet begab ich mich nun auf die Suche nach einer Jugendherberge, um dort die Nacht zu verbringen. Da das Einkaufen und die Jugendherberge leider meine Reisekasse gesprengt hatten, beschloss ich mich wieder auf die Rücktour nach Deutschland zu machen. Am nächsten Morgen wollte ich dann meinen Flug umbuchen, die Konditionen dafür wollte ich aber nicht akzeptieren. Also beschloss ich zu trampen. Die Leiterin der Jugendherberge erklärte mir dann den Weg zu einer Autobahnauffahrt. Dort angekommen, wurde ich nach einiger Zeit dann auch eingeladen. Der Fahrer teilte mir mit, dass er nur noch ganz kurz ein paar Sachen erledigen muss, mich aber dann aus der Stadt raus bringt. Also gut. Ich lernte nun einen schwedischen Steinbruch kennen, wo wir 45 Minuten warten mussten, bis wir eine IKEA Tüte mit Sand befüllen durften. Danach hielten wir noch schnell in einem Baumarkt, um Zement zu kaufen, doch dann ging es endlich aus der Stadt heraus. Nun stand ich also in einer Nothaltebucht auf der Autobahn Richtung Süden und hielt wieder meinen Daumen raus. Auf einmal erspähte ich in der Ferne einen Porsche mit niederländischem Kennzeichen.

      Er wurde langsamer. Er hielt an. Er nahm mich mit. Jackpot.

      Der Fahrer Ron erzählte mir, dass er bis kurz vor Helsingborg fahren würde.
      Auf der Fahrt erfuhr ich, dass er von einem Autotreffen in Nordschweden kam und jetzt noch Freunde im Süden besuchen wollte.



      Die knappen 180km bis Ängelholm vergingen wie im Flug, obwohl auf den Autobahnen nur 120km/h erlaubt sind. In Ängelholm trennten sich dann unsere Wege, aber er gab mir seine Karte und meinte, er fahre morgen nach Amsterdam. Sollte ich hier nicht wegkommen, dann könnte ich ihn anrufen und er holt mich ab.

      Doch ich wurde von einer Familie aufgeladen welche auf dem Weg nach Helsingborg war.
      Sie lies mich dort am Hafen raus, doch dies war nicht mein Ziel. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, bis nach Malmö zu kommen, um über die Öresundbrücke nach Dänemark zu fahren.



      Also ab in den Zug Richtung Malmö. Laut der Karte, auf der die Haltestationen eingezeichnet waren, bräuchte man nur eine Station weiter zu fahren und man würde die Brücke schon sehen.

      Gesagt, getan.



      Vor Ort erkundigte ich mich dann, wie ich zur Brücke gelangen könnte. Leider war dies nicht möglich. Also wieder zurück nach Malmö Center. Doch dort machte mir ein Schild einen Strich durch die Rechnung: „Bahnhof wird um 24 Uhr geschlossen.“. Also wieder in den Zug ab nach Kopenhagen. Wenigsten fuhr der Zug auch über bzw. durch die Brücke.



      Wieder ein Schild: „Bahnhof von 3:00 – 5:30 Uhr geschlossen“. Na gut, schauen wir mal, was hier die Nacht so los ist.

      Fragwürdige Begegnungen. – Ja!

      Mit der Frau eines Polen, welche sich in Polen befand, telefoniert. – Ja!

      Einen Fremden getröstet der versetzt wurde. – Gruselig!

      Münzen für die Toilette geschnorrt. – Ja!

      Einer amerikanischen Familie den richtigen Zug gezeigt. – Ja!

      Mit fremden die Nacht vor dem Bahnhof verbracht. – Ja!

      Versucht zu schlafen. – Ja!

      Geschlafen. – Nein!

      Gut, das war meine Nacht, was nun? Die Autobahn ist ziemlich weit entfernt. Moment, ich hatte ja noch die Karte von Ron. Also habe ich einfach eine SMS geschickt: „Hey Ron, ich bin in Kopenhagen, holst du mich ab? Gruß Kai.“ „Guten Morgen Kai, ich bin in einer Stunde am Flughafen, wir treffen uns da, bis später!“. Kurze Zeit später war ich auch dann am Flughafen und siehe da, Ron kam und holte mich ab. Vielen Dank!



      Ron brachte mich daraufhin noch bis nach Bremen und fuhr dort mit mir die Raststellen ab. Irgendwann trafen wir dann eine Familie aus Essen, welche mich dann dorthin mitnahm.
      Um 22 Uhr waren wir am Ziel, nachdem auch wir unterwegs ein paar Raststätten abgeklappert hatten, aber keine neue Mitfahrgelegenheit gefunden hatten, stieg ich in Essen in den Zug und fuhr nach Hause.
      Bilder
      Gruß Kai

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    • Kurztrip Schweden 2013

      Tja,

      hättest du mal was gesagt vorher :lol:
      (Aber ich glaube, zu dem Zeitpunkt war ich selbst in Värmland ;) )

      *winks* Ted
      QRV: 80m (tnx DH7AES), 40m, 2m, 70cm - 73 es 55 de SD7KR (exDK2RA, exDG0GM)


      Computer sind dafür da, die Probleme zu beseitigen, die man ohne sie nicht hätte! Wenn du glaubst, dein Computer ist schlauer als du - zieh' einfach den Stecker.


      "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." (Ludwig Wittgenstein)
    • Kurztrip Schweden 2013

      Auf der offiziellen Seite: bohusleden.se/lang/de/
      findest du eine Etappen-Übersicht.

      In der Touristeninformation (Göteborg, 2min von der Innenstadt aus) kannst du dir noch ein Heft kaufen, welches dann entweder den nördlichen oder den südlichen Teil des Weges enthält.

      edit//
      Bevor ich es vergesse, die Ein- und Ausstiegspunkte sind gut mit dem Auto zu erreichen -> aber für einen Schlafplatz nicht so ideal, also immer vorher oder hinterher sein Lager aufschlagen.
      Gruß Kai
    • Kurztrip Schweden 2013

      Ich habe Deinen Reisebericht erst heute gelesen. :oops:

      Wunderschön geschrieben - sehr kurzweilig, und dann noch die tollen Fotos. Klasse!

      Danke, dass Du uns an Deinem Kurztripp hast teilnehmen lassen. :)
      Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla.
    • Kurztrip Schweden 2013

      Schmacht....

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich nochmal den südlichen Teil laufen werde oder den nördlichen...

      Diese Bilder....

      Menno, würd grad am liebsten Zeug packen und abdüsen :roll: :mrgreen: