- 42a im Mittelalter -

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  • - 42a im Mittelalter -

    Aye,

    wie in einem anderen Thread schon erwähnt, machte ich vor Wochenfrist ein Tour im Großherzogtum Luxemburg:
    Von Echternach nach Vianden.
    Die Burg in Vianden hat Sinclair dann natürlich sofort gestürmt!
    Frei nach dem Motto:
    "Wehe Euch es ist mal Krieg,
    denn Sinclair stürmt von Sieg zu Sieg!
    Keine Burg in Land und Stadt,
    die er nicht erobert hat"! :mrgreen:


    Dabei in der Waffenkammer eine Niederschrift, die zuerst erstaunte, dann aber wieder doch nicht:
    Im Mittelalter mußte ja bekanntlich der Bauer die Obrigkeit ernähren, also Adel und Klerus. Da das faule Pack keinen Finger rührte, hatte man kurzerhand die Bauern zwangsverpflichtet.
    Also Zwangsarbeit!!
    Nun nutzten die Bauern für ihre Tätigkeit ein Werkzeug mit Namen
    "Sense". :idea: Da die Bauern, in mageren Jahren, mit ihren Familien hungern mußten, während die Obrigkeit immer fetter wurde, kam es daher, von Zt. zu Zt. zu Revolten. Und hier war dann die Sense sehr beliebt, was den Fürsten und ihren Damen nicht wenig Sorge bereitete. Allein der Anblick einer Sense war
    - psychlogisch - schon furchterregend. Insbesonders wenn ein
    kundiger Waffenschmied dieses Teil, mit wenigen Hammerschlägen,
    zu einer sog. "Waffensense", praktisch umschmiedete. :idea:
    Ein echtes Problem für die Herrschaft, ein Bauer ohne Sense bedeutete in der Praxis, kein Brot!! :shock:
    Nun war die damalige Herrschaft nicht weniger gerissen und raffiniert, als heutzutage.
    Man schuf sich also damals schon flugs seinen eigenen 42a :!: :o Aber mitnichten als Ordnungswidrigkeit!
    Nein - Todesstrafe :!: :evil:
    Jeder Bauer der eine Waffensense in Besitz hatte, war ein Todeskandidat: Aufhängen, Rübe ab, Vierteilen, auf's Rad flechten, usw.usw. Man sorgte da für Abwechslung. :(
    Doch nicht nur das. Derjenige Schmied, der dem Bauern aus einer Ackersense eine Waffensense fertigte oder verkaufte, war ebenfalls des Todes! :shock:
    Wenn ich da an unseren Jackknife denke.... 8-)

    Also Leute, beschwert Euch niemals mehr über den heutigen 42a!
    Die heutige Obrigkeit, Adel und Klerus, verweichlichen Euch ja geradezu... :mrgreen:

    Hier seht Ihr - das Teil in der Mitte - so eine ehem. Ackersense, umgeschmiedet als Waffensense. :idea:
    Daneben die erwähnte Niederschrift.

    Schöner Restfeiertag, bzw. langes Wochenende :!:
    Bilder
    Ich traue keiner Uhr-ihre Zeiger haben nicht die gleiche Länge. (Peter Sellers)
    Wir säen nicht und ernten doch. (Joe Dalton)
    Freedom is just annother word for nothing left to loose. (Janice Joplin)
  • - 42a im Mittelalter -

    "Friese" schrieb:

    Danke für diesen Beitrag, sehr erhellend.
    Die "gute, alte Zeit"... :shock:
    Die Kreativität zur Unterdrückung anderer Menschen versetzt mich immer wieder in Erstaunen. Manchmal sinniere ich darüber, welche Tätigkeit ich im (ausgehenden) Mittelalter ausgeübt hätte.

    Hallo friese,

    vielleicht Hilfssheriff? :shock:

    Gruss
    Konrad
  • - 42a im Mittelalter -

    Ja Ja die "gute alte Zeit" bedeutete für den kleinen Otto-Normalbürger unangenehme Einschränkungen in vielen Bereichen... Dagegen sind unsere heutigen (zum Teil gefährdeten) Bürgerrechte echter Goldstandart.

    Zum Thema, 1139 wurde auf dem zweiten Laterankonzil durch Papst Innozenz II. die Armbrust geächtet. Die Waffe war eine Gefahr für den Ritterstand, da sie die Rüstungen problemlos durchschlagen konnte und es so auch einem niederen Bauern möglich war einen Ritter zu töten.
    Wie aber so oft, wenn was effizientes zum Töten entwickelt wurde, interessiert die Ethik oder Moral kein Schwein mehr... Also hat die Ächtung niemanden interessiert und die Armbrust wurde auf den Schlachtfeldern weiterhin eifrig verwendet.
  • - 42a im Mittelalter -

    Aye,

    schätze Friese, als Friese, wäre damals Pirat gewesen :!: 8-)
    Der alte Seebär, kann ihn mir gerade gut vorstellen. :lol:
    Steuerbord am Bug, mit seinem Fällkniven U2 zwischen den
    Zähnen.... :mrgreen:
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  • - 42a im Mittelalter -

    "Das Mittelalter" dauerte grobe 1000 Jahre (476-1492) und Regelungen waren teilweise Städt(!)abhängig. Lasst mal die Pauschalisierungen im (Folter-)Keller.
    Innozenz ächtete nebenbei nicht die Armbrust per se, sondern Distanzwaffen zum Einsatz gegen Christen, nicht wegen des Ritterstandes sondern weil unritterlich. Gegen Heiden/Muselmanen war es nach wie vor erlaubt. Kein "niederer Bauer" hätte sich eine Armbrust leisten könnnen. Davon losgelöst war die Armbrust, zumindest bis zer Entwicklung des Stahlbogens eine sehr anfällige und witterungsabhängige Waffe, soz. das CAR15 des MA. Das Problem hatten ja auch die Franzosen gegen Henry V, dessen Sieg, auch wenn es den britannophilen Langbogenfans nie gefällt, nicht dem ach-so-tollen Langbogen, sondern a) der Arroganz der Franzosen und b) deren Faible für Armbrüste, welche leider bei dem Wetter schlapp machten, zu verdanken war. (De facto bracht Karolos Erben die schwachsinnige Idee, über ein (50cm tief verschlammtes und enges) Feld hinweg den "britischen Pöbel" mit einer Reiteratacke hinwegzufegen die Niederlage!)
    Bitte beachtet und respektiert, dass dies mein PRIVAT Account ist und Fragen zu unserer Firma an den gewerblichen Account "Begadishop" gehen! DANKE!
  • - 42a im Mittelalter -

    Aye,

    das müßte Ken Follet noch erleben...... :mrgreen:
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  • - 42a im Mittelalter -

    Aye Logan,

    pauschal hin, pauschal her!
    Ob Luxemburg, England, Frankreich etc.

    Damals zahlten die armen Teufel von Bauern, nebst Familien, immer die Zeche.... :!: :idea: :roll:
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  • - 42a im Mittelalter -

    Nö Sinclair, das ist ein Mythos, den man in der Renaissance gern wiedergekäut hat, das das MA ja so finster war. Lustigerweise ging es hier mit der Ausbeutung der Stände erst richtig los, ähnlich wie die Hexenverfolgung gerne ins Mittelalter gelegt wird aber eher ein Ding der Neuzeit ist.

    Ein Bauer war primär erst einmal Kapital und Kapital behandelt man gut. Im fränkischen Reich z.B. war die Bevölkerung in das Verteidigungskonzept eingebunden, so hat Karl der Grosse definiert, bei welchem Einkommen ein Bauer welche Waffen eigenständig zu besorgen hat, um im Wehrfall gerüstet zu sein.
    Da stand, ähnlich der Schweiz, ein Volk unter Waffen mit nahezu keinem stehenden Heer. Eine "Bauernrevolte" hätte das Reich mal eben weggefegt. Hierzu ganz interessant, die "Gesta Karoli Magni" von Notker dem Ersten sowie die "Vita Karoli Magni" von Einhard.

    Das sind alles Stammtischlegenden, der Wikinger trug auch keinen Hörnerhelm, war nicht ungewaschen(Hauptimport war neben fränkischen Monostahl) Seife und Parfüm) und kein 110% Heide (die "Nordgermanen" liessen sich im Vergleich zum Rest Europas ratz-fatz konvertieren), nicht jede Dirne trug gelb, man kackte nicht auf die Strassen und Schotten trugen im MA auch weder Kilt (welcher eine engl. Erfindung für Grubenarbeiter ist) noch belted Plaid. William Wallace war auch kein Bauer und den Grossteil der Erfolge dem ol´ Mel ihm zuschreibt waren eigentlich von Robert the Bruce!
    Und last but not least blieb der Wiki nicht beim Damast, weil so voll geil war, sondern schlicht weil die skand. Schmiede keinen vernünftigen Monostahl herstellen konnten...
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  • - 42a im Mittelalter -

    Aye,

    habe eine Nichte die Geschichte studiert und promoviert hat.
    Ihr Thema:
    Mal frei aus dem Gedächtnis "Landbevölkerung und ihr Dasein
    im Mittelalter". Oder zumindest so ähnlich.
    Der sollte man mal die Geschichte von den "gut behandelten Bauern" erzählen.... :mrgreen:

    - Ein freier Bauer dessen Vieh man auf dem Gelände der Herrschaft
    antraf, wurde mal eben auf die Schnelle gehenkt!
    - Ein Bauer der in einem kalten Winter für seine frierende Familie, im Wald der Herrschaft, einen Arm voll Holz sammelte,
    wurde ausgepeitscht - oder noch schlimmeres.

    Ansonsten aber wurden sie gut behandelt.... :mrgreen:

    Ich möchte und werde hier jetzt nicht weiter darauf herumreiten.
    Der 42a in Luxemburg hat man seinerzeit sicherlich nicht ohne Grund geschaffen. :idea:

    Schönes Wochenende hier, auch an die Bauern. :D
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