Test des Karrimor Predator 80-130

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    • Test des Karrimor Predator 80-130

      Hallo, liebe BCD-Freunde,

      voller Vorfreude auf den Samstag war es soweit, mein neuer Rucksack wollte getestet werden.

      Bereits in einem anderen Thread gezeigt, erhielt ich vergangene Woche meinen neuen Rucksack.

      Meine Anforderungskriterien waren:
      - individuell einstellbares Tragesystem
      - Aufnahme für Trinksystem
      - Volumen um die 100l
      - Aufrüstbar mit verschiedenen Seitentaschen
      - Molle am Frontbereich oder vergleichbares
      - auch bequem bei niedrigen Lasten <15Kg, aber macht auch nicht bei 25Kg+ schlapp
      - relativ moderates Eigengewicht

      Verschiedene Modelle habe ich mir angeschaut. Sei es der TT Rangepack, Bergans Alpinist und Powerframe, Berghaus Crusader 90+20.

      Jeder der genannten Rucksäcke mag für sich top sein, der Powerframe steckt sogar 50Kg und mehr klaglos weg, wo ich schon lange in der Rinne lieg.
      Aber keiner konnte alle Punkte ausfüllen.

      Bis... ja, bis ich auf den Karrimor aufmerksam gemacht wurde. Ich muss außerdem gestehen, dass ich Karrimor bisher nahezu sträflich missachtet habe.

      Das mag im Unterbewussten mit meinem Mangel an Vertrauen zur britischen Ingenieurskunst liegen, nachdem mir bei 120 Sachen der Motor meiner Triumph um die Ohren geflogen ist (Pleuelbruch, zerrissener Motor).

      Doch nach näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass der Karrimor PREDATOR doch tatsächlich ALLE Punkte erfüllt. Damit war der Zuschlag erteilt und wurde sogleich bei Recon in Coyote bestellt, zusätzlich mit diesen PLCE Seitentaschen:
      recon-company.com/lightspeed.p…-seitentasche-oliv-1.html

      recon-company.com/lightspeed.p…paar-1.html?startId=28830


      Wie setzen sich nun 80 bis 130l zusammen?

      Nun, im Grunde genommen nur durch gute Komprimierbarkeit des Rucksackes. Schließt man die beiden YKK-Reißverschlüsse, an denen normalerweise die Seitentaschen angebracht sind, so erhält man das niedrigste Volumen. Allerdings ist dann das Hauptfach relativ schmal, dennoch sehr geräumig.
      Nun kann man die beiden RV öffnen, die Seitentaschen dranhängen und man erhält ca. 115l, je nachdem welche Seitentaschen man dran hängt. Nun liegen noch neben den Seitentaschen zwei über die Länge des Rucksackes versteckte Reißverschlüsse. Diese geöffnet geben eine Falte frei, die das Volumen nochmal erhöhen. Ich habe das mal ausprobiert und mal mein Geraffel verstaut.

      Ich hätte immernoch massig Platz gehabt, mein komplettes Gear darin zu versenken und da ich hier bereits eh den Ruf des Gearjunkies inne habe, darf man sich ungefähr ausmalen, was das heißt. Das Ding ist entkomprimiert und mit Seitentaschen versehen einfach ein MONSTER.

      Nun wurde also für 24h gepackt. Ich muss allerdings gleich gestehen, dass die Menge, die ich hier reingestopft habe, für 24h einfach too much waren. Das seh sogar ich ein, jedoch wollte ich das gute Stück mit ausreichend Gewicht mal getragen haben. Somit sind (jaja, ich weiß, gesponnen, aber der Zweck heiligt die Mittel)letzten Endes 20Kg zusammen gekommen. Davon allerdings auch 4l Wasser.

      Samstag dann noch kurz über den Markt gesprungen und mir noch eine zünftige Brotzeit fürs Mittagessen eingekauft und los ging es an den Waldparkplatz.

      Schuhe zugeschnürt, Rucksack aufgeschmissen und los.

      Komisch... kein Ziehen, kein Zwacken. Da mein Rücken eh sehr empfindlich reagiert bei falschen Bewegungen, war ich schon sehr verwundert. Gemessen an "früher", wären nach spätestens 3 km die ersten Zurecht-Rück-Aktionen gekommen.

      Hier- garnichts, im Gegenteil. Die Last war so angenehm verteilt, dass ich mehr oder minder mit einem Grinsen weitermarschiert bin.

      So sah das ganze dann aus:




      Das war so ziemlich das erste Mal, dass ich auch mal neben dem schleppen einen ausgiebigen Blick für die Landschaft hatte:


      Nach den ersten 1,5h wandern hatte ich mein erstes Ziel erreicht, ich suchte in dem Waldgebiet, wo ich primär unterwegs bin, eine Wasserquelle. Neben dem eingezeichneten Brunnen war eine kleine Blockhütte. Dieser Platz hat geradezu danach geschrien, hier meine Brotzeit einzunehmen.



      An dem Brunnen war jedoch kein Wasserhahn zu sehen, aber floss ganz leicht heraus. Ringsum nur Wald, aber irgendwie hab ich mich nicht getraut, mich hier zu bedienen aus Schiss heraus. Meint ihr, dass man hier bedenkenlos was draus trinken kann?


      Nun, nachdem die Mahlzeit eingenommen war, bin ich noch ein paar Stunden durch den Wald getigert. Hier mal nen Hügel erklommen, da mal einen Hang herauf und wieder runter- der Rucksack war zu keinem Zeitpunkt das Problem, sondern schlicht und ergreifend die Leistungskondition des Sherpas.

      In meiner favorisierten Gegend habe ich dann mein Lager aufgeschlagen.




      Auf Grund des sonnigen Tages und der Jahreszeit habe ich auf jegliches offenes Feuer, auch meinen kleinen Ministove mit Alkohol, verzichtet, auch waren die Temperaturen nicht so, dass es eine warme Mahlzeit gerechtfertigt hätte.

      Allerdings gab es ein penetrantes Problem. Mücken. Mücken, Mücken, Mücken, ich bin schier wahnsinnig geworden. Antibrumm war mein bester Freund... Mein neues Objekt der Begierde: Ein Mückennetz für meine Hängematte!!!

      Zu allem Überfluss begann es dann nach Einbruch der Dunkelheit satt zu regnen. Perfekt. Mein Tarp darf also auch mal zeigen, was es kann!

      Irgendwann ist es mir dann endlich mal gelungen, einzuschlafen und wurde jäh geweckt: Ein gepolter, gekrache und gegrunze kam immer näher. Wildschweine? Mei, ist mir dann die Düse gegangen. Ich lieg in meiner Penntüte und kack mich schier ein.
      Da lieg ich nun darauf wartend, von den fiesen, bösen Wildsauen bei lebendigem Leib gefressen zu werden, bis ich mir der Komik der Situation erstmal bewusst wurde.
      Da sucht ein von den Genüssen der globalisierten Industrialisierung verwöhnter Kerle die Ruhe in der Natur und unter freiem Himmel, dringt in den Lebensraum anderer Lebewesen ein und kriegt dann Bammel. War scho witzig....

      Nachdem endlich Ruhe eingekehrt war und ich mich endlich getraut habe, wieder mein Tarp neu abzuspannen, fand ich erneut schlaf. Diesmal allerdings mit meinem Fiskars X5 in Griffweite und Kopflampe schon auf der Murmel.

      Plötzlich wieder getrappel, diesmal aber weniger massiv. Licht an, Griff ans Beil- und ca. 15m weiter weg traben ein paar Rehe durch den Wald.

      Heiland, ich war geneigt, abzubrechen. Da fing es, wie kann es anders sein, wieder dick zu regnen an.

      Total übermüdet stellte sich eine gewisse Resignation ein, ein lautes "Ach, leckt mich doch, ICH WILL PENNEN!" und ich mümmelte mich wieder in die Penntüte, zwei Taschentücher in die Ohren gestopft und hab durchgeratzt bis um halb 9. Zufrieden dann aufgewacht, Lager abgebaut (Leave No Trace)und gen Auto marschiert.

      Dieser Trip war voll gelungen! Der Rucksack perfekt, die Nacht voller Erlebnisse.

      Zu Hause angekommen erwartete mich erstmal die ersehnte Tasse Kaffee.

      Ach ja, es stellt sich langsam ein Muskelkater in den Beinen ein, mein Rücken zickt bisher nicht: Toller Rucksack, hab ich das schon erwähnt? :mrgreen:
      Bilder

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von QuintusDias ()

    • Test des Karrimor Predator 80-130

      "Eiszeitjäger" schrieb:

      Schön geschrieben Quintus, auch Deine ehrliche Art ohne zu übertreiben gefällt. Ich bewundere Deine Arschruhe, bei mir wäre die Nacht vorbei. Wenn ich nicht den ganzen Tag durchlaufe und wirklich kaputt bin ,ist bei mir kaum an Schlaf länger als 2-3 Stunden zu denken.
      Der Rucksack an sich wirkt bei Dir wie ein 40l Rucksack, Du kannst sowas wirklich tragen ! 8-)

      Arschruhe?
      Bei den Sauen hatte ich ECHT Schiss bekommen, aber in dem Moment sind mir die wildesten Horrorbilder durch den Kopf, dass ich mich nciht getraut hab, zu bewegen! :lol:
      Und danach war ich einfach zu faul, mitten in der Nacht mein Geraffel zusammen zu packen! :mrgreen:

      Naja, bin einspaarundachtzig, pi*Daumen-Schönreden ungefähr 90Kg auf der Waage. Da wirkt der nur so. Aber der hat echt ein waaahnsinns Volumen und ein endgeiles Tragesystem.
      Und ich kenn nun auch das V2 von TT, das Cyclops von Berghaus (ATLAS) und von Deuter. Er schlägt alle (an MEINEM Rücken), wobei das aber auch wirklich von der Person abhängt. Bin mir ziemlich sicher, dass es andere gibt, die damit nicht klar kommen!

      Na, und letzten Endes- nun macht nicht mein Rücken schlapp, sondern meine Kondition, wobei diese ja mittlerweile gut am aufbauen ist.

      Aber danke für die Komplimente :oops:
    • Test des Karrimor Predator 80-130

      Ah, letztens noch per PM über den Rucksach gesprochen sehe ich jetzt den Test.
      Eine längere Tour mit viel Gewicht steht bei mir beim Atlas noch aus. Mal schaun wie ich mit dem zurecht komme und ob sich dann evtl. mal die Gelegenheit ergibt einen Predator auf meinen Rücken zu schnallen.

      Wie es ist wenn man während einem Nacht-Orientierungsmarsch in eine Herde Wildschweine gerät weis ich auch. Wir waren zu dritt und brauchten dann erst mal 5 Minuten Auszeit ehe es weiterging.

      Mit einem Reh hab ich auch meine Story... ich richte meinen Schlafplatz, Tarp, Isomatte, Schlafsack und setze mich ca. 10m entfernt ans Lagerfeuer mit nem Kumpl. Als wir ins "Bett" gehen wollten lag auf einmal ein Reh im Tarp und schlummerte!!!
      Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla.
    • Test des Karrimor Predator 80-130

      Moin,
      bin auch am überlegen mir den Predator zuzulegen, da muss ich dich direkt mal mit ein paar Fragen belästigen: Hast du das Ding inzwischen zufällig schonmal mit mehr als 30kg getragen? Mich interessiert einfach wo die Grenze mit dem Ding liegt. Entspricht das angegebene Leergewicht in etwa der Realität? Wie groß fällt das Bodenfach aus, ist dort auch Platz für große Wintertüten a la Defence 6 ?

      Und zu guter letzt: hat Karrimor dem Predator eigentlich das Tragesystem vom alten 60-100 verpasst, oder gab es da ein signifikantes Update?

      Danke & Gruß,

      Karlson
      Knowing is not enough - we must apply. Willing is not enough - we must do. Bruce Lee

      We want to experience fantastic things and in order to experience things we have to put ourself in fantastic places. Donnie Vincent
    • Test des Karrimor Predator 80-130

      "karlson" schrieb:

      Moin,
      bin auch am überlegen mir den Predator zuzulegen, da muss ich dich direkt mal mit ein paar Fragen belästigen: Hast du das Ding inzwischen zufällig schonmal mit mehr als 30kg getragen? Mich interessiert einfach wo die Grenze mit dem Ding liegt. Entspricht das angegebene Leergewicht in etwa der Realität? Wie groß fällt das Bodenfach aus, ist dort auch Platz für große Wintertüten a la Defence 6 ?

      Und zu guter letzt: hat Karrimor dem Predator eigentlich das Tragesystem vom alten 60-100 verpasst, oder gab es da ein signifikantes Update?

      Danke & Gruß,

      Karlson


      Moin, Karlson,

      gerne versuche ich die Fragen zu beantworten:

      Tragbares Gewicht:
      Meiner Meinung nach steckt er 30Kg klaglos weg, das Maximum lag mal bei 29 Kg.
      Ich wage zu behaupten, dass auch 35-40Kg kein Problem sein werden. Bei mir ist der Faktor Mensch das ausschlaggebende Limit. 30 auf Dauer ist auch mir too much. So 20-25Kg, da ist der Predator für mich im Trage-Komfortbereich, die Grenzen sind einfach meine Konstitution. Ein Jahrzent "vergammeln" haben viel kaputt gemacht! Mit meinen ü30 hab ich festgestellt, dass es, gleich welches Tragesystem, absolut tödlich für Rücken und Gelenke ist, zu schnell zu viel aufzuladen, im ungeübten Zustand. So langsam gehts ganz gut.

      Das SA-Tragesystem der anderen Karrimor kenne ich net. Ich kenne das V2&X (TT) Cyclops II (Berghaus) und von Deuther, aber von denen ist das SA des Predator überragend.

      Bei 25Kg merkst Du den Ruck eigentlich kaum, bloss Dein Körper fängt ggf das zicken an.

      Leergewicht: Nie geprüft

      Bodenfach:
      Also, die Kombo Def4+Tropen im Packsack des Def4 passen mal gut rein, der Tyin Winter auch. Denke also, der Def6 wird da auch reinpassen.
    • Test des Karrimor Predator 80-130

      Danke, das klingt doch alles schonmal vielversprechend. Hab nochmal parallel recherchiert: Das Tragesystem ist komplett identisch mit dem vom Sabre. Ich denke ich werd in der nächsten Zeit mal bei Recon vorbeifahren und testen...
      Knowing is not enough - we must apply. Willing is not enough - we must do. Bruce Lee

      We want to experience fantastic things and in order to experience things we have to put ourself in fantastic places. Donnie Vincent
    • Test des Karrimor Predator 80-130

      "karlson" schrieb:

      Danke, das klingt doch alles schonmal vielversprechend. Hab nochmal parallel recherchiert: Das Tragesystem ist komplett identisch mit dem vom Sabre. Ich denke ich werd in der nächsten Zeit mal bei Recon vorbeifahren und testen...

      Beim Recon vorbeifahren?

      Boah, ich wünschte, das könnt ich auch von mir sagen... Das wär, wie wenn ein kleiner Bub durch einen riiiiiesen Spielwarenladen laufen würde:
      :o :o :o

      Wobei... besser nicht... :mrgreen: