Bau eines Messers

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    • Bau eines Messers

      Hallo!
      Ich möchte hier einen kleinen Report über die Herstellung eines einfachen Messers machen. Eventuell habt ihr ihn schon mal in einem anderen Forum gesehen. Allerdings möchte ich ihn hier nicht vorenthalten. Bitte verzeiht mir meine Rechtschreib- und Grammatikfehler.

      Das Ganze soll als Anleitung für Neulinge in den Messerbau dienen. Achtung es geht hier um ein geschmiedetes Messer. So ein Messer kann man auch unter sehr primitiven Bedingungn bauen. Es sollte ein einfaches nordisches Messer ohne allzu viele Spielereien werden. Ob das jetzt ein "Survival- oder Bushcraftmesser" ist muss jeder mit sich selbst ausmachen. Normale Schnitz- und Schneidarbeiten sind damit gut ausführbar.
      Da sich dieses Thema auch an Anfänger richtet verwende ich Federstahl.
      Ja, der ist nicht so schnitthaltig wie Kugellager, Feilen, Werkzeugstahl und und und. Aber er lässt sich von einem Anfänger gut bearbeiten und verzeiht viele Anfängerfehler. Des weiteren ist er auf jedem Schrottplatz zu finden.

      Fragen könnt ihr jederzeit stellen, ich helfe gerne weiter.

      Für Leute die durch den Bericht Lust bekommen sich auch ein Messer zu bauen sollen sich bitte nicht vom fehlenden Werkzeug abhalten. Man wird mit folgenden Mitteln zu einem guten Ergebnis kommen:

      1. Solider Grill der als Esse dient. Erdesse ist aber auch möglich. Dazu noch ein Gebläse. Föhn, Lüfter, Ventilator...
      2. Ein Stück Bahnschwelle auf einem Hauklotz verschraubt oder auch ein schwerer Stein.
      3. Ein Hammer zum Anfang 800 bis 1000Gramm.
      4. Eine Zange ->Rohrzange, eventuell große Kombizange. Im Idealfall Schmiedezangen
      5. Eine Eisensäge
      6. ein Paar Feilen -> Rund,Flach,Schlüsselfeile
      7. Schleifpapier
      8. Bohrmaschine oder Akkuschrauber mit Bohrer



      Unser Ausgangsmaterial. Federstahl. Überall verfügbar und auch für den Anfänger leicht zu handhaben. In diesem Fall mit einem Durchmesser von 9mm. Die Üblichen Autofedern haben 11,5mm was ein deutlicher Unterschied ist. Aber wir fangen ja mit einem kleinen Gebrauchsmesser an.
      Wenn man die dickere Variante verwendet kann man größere Klingen schmieden.
      Blattfedern wie sie in LKWs verbaut sind kann man auch benutzen.
      Nur bitte keinen Baustahl benutzen. Dieser ist meistens nicht härtbar und die ganze Arbeit wäre ja dann hinfällig.



      Der Amboss und der Schmiedehammer. Wer keinen hat kann sich nach einem Stück Bahnschwelle oder Stahlträger umschauen.



      Die grobe Vorlage. Die Klinge soll in Etwa 8cm lang und 2cm hoch werden. Der Erl wird aber länger! Ihr solltet euch immer eine grobe Vorlage zeichnen, aber dabei beachten das man aus einer dünnen Feder kein Haumesser von 40mm Höhe und 5mm Dicke schmieden kann.



      Die Feder wurde schon im Vorfeld begradigt und so zu einer Stange. 50 cm sind mehr als genug. Der Stahl wurde flach geschmiedet und in schneidenrichtung schon leicht ausgetrieben.



      Nun wir das Ganze vom Rest des Stahls abgeschnitten. Dabei genug Material für den Erl lassen.
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      Abgeschnitten. Mit dem Rest wird der Erl ausgeschmiedet.



      Der Erl wurde grob ausgeschmiedet. Da der Erl durch den ganzen Griff gehen soll sollte er mindestens 12 cm sein. Kürzen kann man immer noch.



      Die Klinge wurde noch einmal komplett überschmiedet um Unebenheiten auszugleichen.
      Die Schmiedearbeiten sind nun fertig und es wird noch grob mit der Flex gearbeitet.



      Fertiger Rohling. Dieser wurde dann über Nacht im Kamin geglüht um ihn "butterweich" zu machen. Federstähle sind oft Lufthärter. Daher kann der Stahl nachdem man ihn aus der Esse nimmt und er starken Luftzug bekommt oder man ihn in den Schraubstock einspannt schon härten. Insbesondere bei den relativ dünnen Querschnitten bei Messern ist dies der Fall.
      Das macht die Bearbeitung mit der Feile sehr anstrgend bzw schädigt auch die Feilen. Daher in die Glut im Kamin oder Feuer legen und dann einfach laaangsam abkühlen lassen. Den nächsten Tag ist der Rohling gut zu bearbeiten.



      Der Anschliff wird nun gemacht. Ich mache das mit Feilen. Wer einen Bandschleifer hat der wird das damit machen.



      Das Messer wird mit Schleifpapier bis zu einer Körnung von 240 geschliffen. Viele gehen bei der Oberfläche bis 600 vor dem Härten. Da es aber ein einfaches Gebrauchsmesser werden soll reichen die 240 aber erst einmal.
      Wer ein super spiegelndes Ergebnis haben möchte der muss schleifen schleifen schleifen. Danach noch Polieren. Da der Stahl ja bei Benutzung anläuft mache ich es nur grob und poliere anschließend nur kurz.
      Besonders für Anfänger ist dieser lange Arbeitsschritt oft sehr störend.



      Nun kommen wir endlich zum Härten. Aus unserem weichen Stahl wird nun endlich eine harte Klinge.
      Federstahl wird bei etwa 830°C gehärtet. Das ist ein helles Rot! Beim Härten auf eine dunkle Umgenung achten da man sonst die Temperaturen nicht richtig erkennen kann. Wer dafür nicht den richtigen Blick hat, der macht die Magnetprobe und erwärmt danach noch ein wenig weiter. Das Öl wurde vorgewärmt auf etwa 50°C. Bitte nicht in Wasser härten!
      Anschließend die Klinge bei etwa 180°C für 2 Stunden im Backofen anlassen.
      Ich habe schon viele Messer aus verschiedenen Federn geschmiedet. Die Härten lagen dabei zwischen 53 HRC und 56 HRC. Keine Schätzwerte sondern gemessen in einer Härterei. Ja das ist kein Laserschwert aber ein Victorinox hat auch “nur“ 55HRC. Die Rasierschärfe verfliegt relativ schnell. Eine gute Gebrauchsschärfe bleibt aber recht lange. Das Nachschärfen ist auch einfach.
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      Danke für den tollen Beitrag. Auch wenn so ein Messer nicht mit industriell gefertigten und gehärteten mithalten kann ist es eine super Sache.
      Jedes Messer ist ein unikat und niemand hat so eins wie du.
      Hast du auch Bilder im fertigen Zustand mit griffschalen und Scheide?
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      Weiter geht es auf dem Wasserstein. Die Klinge wird schon scharf geschliffen. Poliert wird sie erst später.



      Weiter geht es mit der Griffmontage. Ich habe Aluminium, Birkenholz und Pflaumenholz ausgewählt. Zwischen das Holz kommt noch Leder.
      Es kann aber auch nur ein einzelnes Holzstück verwendet werden.



      So sollen die Einzelnen Lagen aufeinander damit die Alupassungen winklig sitzen. Und wie so oft habe ich es trotz anzeichnen geschafft es wieder zu versauen. Es ist für die Funktion nicht tragisch aber es ist halt nicht 100% gerade. Das kommt halt von 5-Minutenkleber. Der setzt einen schon unter Druck. daher lieber mit einem der 20-Minuten Tropfzeit hat arbeiten!



      Nachdem die Griffteile aufgeschichtet sind werden diese gepresst. Ich habe dazu die Möglichkeit eine Hobelbank einzusetzen. Ansonsten kann man auch mit Schraubzwingen eine Presse bauen oder man ist tapfer und presst selber die ganze Zeit durch ;)



      Nach dem Pressen habe ich den Erl vernietet und mit Feilen und Säge den Griff grob vorgearbeitet.



      Den Griff habe ich erst einmal quadratisch gemacht. Das ist meiner Meinung nach die beste Ausgangslage um zu seinem Wunschgriff zu kommen.
      Wird das Messer unter primitiven Umständen gebaut dann würde ich den Erl umwickeln. Oder aber während des Schmiedens den Erl immer wieder in das spätere Griffstück einbrennen um mir so ein Loch zu bohren.
      Das Messer liegt schon sehr gut in der Hand. Allerdings wird der Griff noch weiter abgeändert.



      Das fertige aber ungeölte Messer. Die Klinge wurde noch ein wenig poliert und spiegelt gut.
      Der Griff wurde noch weiterbearbeitet und liegt jetzt sehr gut in der Hand. Er wirkt zwar sehr dick, ist aber gut. Ich habe eher kleinere Hände und es passt. Mein Vater hat große kann damit aber auch gut umgehen. Universal halt. Da kann sich ja jeder austoben wie er will.



      Ein mehrtägiges Bad in Leinölfirnis.



      Das Messer ist nun fertig und was fehlt jetzt noch? Die Scheide! Nordisches Messer -> Nordische Scheide!
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      Das Messer mit einem Lederrest den ich noch hatte. Leder kann man oft günstig beim Schuhmacher kaufen. Einfach nach den Resten fragen! Habe mal Lederreste für 7 Scheiden bekommen. Dabei habe ich gerade mal 10€ gezahlt. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, vor allem weil ich dadurch verschiedene Dicken hatte und Gefühl für Leder entwickeln konnte. Das Leder ist ungefärbt. Später kann man dieses noch färben.
      Wer online kauft 2,5 bis 3,5 mm ist für diese Art von Scheide gut, 3mm ideal! Wer 5mm und dickeres Leder hat wird einen anderen Scheidentyp wählen müssen. Ich habe diesen Typ gewählt da es ja vom Typ her eher ein nordisches Messer ist. Dazu kommt die einfache Herstellung und Robustheit die auch für einen Anfänger gut zu meistern sind. Als Faden kann, wer keine richtige Sehne hat, auch Zahnseide genommen werden, dass funktioniert und hält sehr gut.



      Der Holzkern oder auch Inlay genannt, dient als Durchstechschutz. Dazu einfach zwei Leisten nehmen und eine aushöhlen. Das geht am einfachsten mit einem Stecheisen. Ich habe dazu das Messer verwendet. Mit der hochgezogenen Spitze ging das sehr gut. Dann verklebt man die beiden Hälften und rundet sie im Ganzen ein wenig ab. Die Klinge sollte schon ein wenig Platz haben damit sich später nichts verkanten kann.



      Das Leder wird nass gemacht. Ich wässere es meistens länger damit sich natürliche Farben noch auswaschen bzw. gleichmäßiger verteilen. Das nasse Leder tupfe ich danach ein wenig ab. Das Messer wird in den Kern gesteckt. Dann werden beide Teile mit Küchenfolie eingewickelt.



      Grobes Anpassen des Leders. Man schaut wie man es in etwa ziehen muss. Wer ein großes Stück hat muss hier nicht wirklich drauf achten. Hatte nur noch dieses eine Stück und musste daher das Leder gut ausnutzen. 3 cm zu beiden Seiten mehr und die Scheide wäre vor allem noch höher geworden. Der Funktion schadet es aber in keinster Weise.



      Wir beginnen das Leder zu vernähen. Welche Nahtart man nimmt ist jedem selbst überlassen. Unter normalen Umständen sollte man das Leder vorstechen. Da ich kein solches Werkzeug in meiner Studentenbude habe musste halt eine Rohrzange helfen. Mit dieser konnte ich die Nadel so durch das Leder zwängen. Wer noch nie Leder bearbeitet hat sollte vielleicht vorher an einem kleinen Stück üben und die Widerstandsfähigkeit des Leders feststellen.



      Die Hauptscheide ist fertig. Nun fehlen nur noch die zwei Teile zur Befestigung am Gürtel.
      Auch der Kulirest den man sieht wird noch weggeschnitten.



      Fertige Scheide. Sie ist noch feucht und muss trocknen. Das Messer konnte ich samt Kern rausziehen. Der Kern kommt von allein mit da er ja durch die Folie mit dem Messer verbundenen ist.



      Die Scheide ist trocken und der Holzkern wurde eingeklebt. Bitte sparsam mit dem Kleber sein damit er nicht das Leder durchweicht und man es später sieht.



      Scheide nochmal von vorn. Sie kann jetzt gefärbt werden. Leider habe ich keine Lederfarbe hier. Mann kann sie auch mit Wachs behandeln. Mal gucken was ich mache. Da es aber ein sehr einfaches Messer ist und das Leder auch ein paar Makel hatte werde ich wahrscheinlich Wachs nehmen.
      Das Messer trägt sich so nun gut am Gürtel. Nichts klappert und das Messer steckt stramm aber nicht zu stramm in der Scheide. Auch überkopf halten und schütteln macht nichts. Das Messer verbleibt sich in der Scheide. Zum ziehen des Messers muss man allerdings die Scheide mit einer Hand festhalten. Dies ist aber typisch für diesen Scheidentyp und hat sich bei den Lappen mehr als bewährt.

      Ich hoffe mein Bericht hat euch gefallen, auch wenn es nur in Schriftform ist. Ich habe keine Kamera. Wenn noch Fragen offen sind beantworte ich die gerne.
      Da ja sicherlich viele sagen was für ein Blödsinn, all die Arbeit für eine Klinge dich ich auch für 8€ kaufen kann und dann noch härter ist.
      Ja das ist richtig. Aber wer selber baut bekommt massig Erfahrung und hat später ein Unikat.
      Die Kosten sind sehr gering. Wer Werkzeugtechnisch ein wenig ausgestattet ist der muss eigentlich nur die Kohle kaufen. Ne Feder vom Schrottplatz gibt es sicherlich für 2€.
      Die Arbeit darf man nicht rechnen. Ist ja auch Hobby.
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      Echt supergeil! Könntest du die esse noch weiter erläutern evtl. Mit Bild? Ich kann mir darunter nicht so wirklich was vorstellen. Wenn ich eine feile nehme, welchen härtegrad hat das dann? Und wie funzt der magnettest? :) so das wäre alles
      Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla.
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      "Kiefreak" schrieb:

      Echt supergeil! Könntest du die esse noch weiter erläutern evtl. Mit Bild? Ich kann mir darunter nicht so wirklich was vorstellen. Wenn ich eine feile nehme, welchen härtegrad hat das dann? Und wie funzt der magnettest? :) so das wäre alles


      Hallo,

      kauf dir doch einfach mal das Buch. Du wirst sowieso nicht umhin kommen dir das anzuschaffen. Das und vieles anderes steht darin. Desweiteren findest du auch in dem Schmiedethread deine Antworten.

      Gruss
      Konrad